Kulinarische Momentaufnahmen
Monday, 9. November 2015 - von Ariane

Aus Oma Liesels Küche: Verlegenheitsgemüse für Überraschungsgäste

Nachdem neulich mein Opa gestorben ist und ich mehr Zeit als sonst mit meiner Oma verbracht habe, fiel mir wieder meine Herzensprojekt-Idee ein. Schon seit gefühlten 15 Jahren möchte ich zusammen mit meiner Oma und meiner Mama ein Kochbuch machen. Nur für meine Familie und mich. Um all die schönen kulinarischen Erinnerungen an meine Großeltern zu konservieren.

Jahrelang habe ich diesen Traum zusammen mit meiner Mama vor mir hingeschoben, weil wir dachten jetzt grade keine Zeit dafür zu haben. „Aufgeschoben ist nicht aufgehoben“ sagt ein schönes Sprichwort – deswegen ärgern wir uns nicht länger über Dinge die wir nicht gemacht haben, sondern fangen einfach damit an. So lange meine Oma noch da ist, uns bekochen und all die schönen Anekdoten von Früher dabei erzählen kann.

Das Bloggerevent zum Buch-Projekt Wir haben einfach gekocht von Manuela Zehn, Jörg Reuter und meiner Foodblogger-Kollegin Cathrin Brandes hat mich erst recht motiviert, endlich damit loszulegen. Für das gleichnamige Kochbuch haben die drei Autoren 12 Seniorenheime in ganz Deutschland besucht und bei Gesprächen über das Kochen, über Genuss und Lebensfreude 100 Lieblingsrezepte gesammelt.

Für das Bloggerevent wurden wir nun aufgerufen, die kulinarischen Erinnerungen der Generation unserer Großeltern zu bewahren und weiterzugeben. Das mache ich doch gerne!

Und so stand ich dann vor ein paar Wochen pünktlich zum Mittagessen mit meiner Kamera unangemeldet vor Omas Haustür in Düsseldorf.

„So eine Überraschung!“ freute sich die Oma. „Aber ich hab´ doch gar nichts im Haus.“ war ihr nächster Gedanke.

Ein paar Minuten später kam sie mit einem Sack voll Möhren und eingefrorenem Pflaumenkuchen die Kellertreppe hochgelaufen. „Dann gibt´s eben Verlegenheitsgemüse und Pflaumenkuchen zum Nachmittagskaffee.“

Manche Dinge verändern sich eben nie. Auch wenn ich unangekündigt zum Mittagessen hereinplatze und „nichts im Haus ist“, bleibt die Küche meiner bald 88 jährigen Oma nie kalt. Dann wird improvisiert und das beste Mittagessen aus alten Möhren und Kartoffeln gezaubert. Und für den Nachmittagskaffee wartet in der Tiefkühltruhe Pflaumenkuchen, der mit Liebe genau für diese Verlegenheitsmomente gebacken wurde.

So war das früher. Gäste wurden bekocht und es war immer etwas zu Essen im Haus. Ob eingeweckte Sauerkirschen, tiefgefrorener Pflaumenkuchen, oder Apfelmus – für Verlegenheitsmomente war immer vorgesorgt.

Und wie ist das heute, wo man quasi zu jeder Tageszeit noch schnell in den Supermarkt rennen kann? Kommt man da eigentlich noch in die Verlegenheit wenn unerwarteter Besuch vor der Tür steht?

Meine Speisekammer in Berlin ist zwar immer prall gefüllt, aber ich kann mich an meinen letzten Verlegenheitsmoment kaum erinnern. Es ist fast ein Jahr her, als ein Freund mit seiner neuen Mitbewohnerin vor der Tür stand. Da hab ich ne´Pulle Wein aufgemacht – aber wenn ich jetzt so darüber nachdenke, wäre es schön gewesen ein kleines Verlegenheitessen für meine Überraschungsgäste zu kochen. So, wie es meine Oma auch gerne macht.

So, liebe/r Leser/in. Wenn du weißt wo ich wohne, lade ich dich hiermit offiziel ein mein nächster Überraschungsgast zu werden. Ich freue mich über deinen Besuch und wenn du Glück hast, koche ich dir ein essen wie es deine Oma täte!

Omas Möhrengemüse

Zutaten für 6 Personen
3 EL Öl
3 mittelgroße Zwiebeln, geschält und fein gehackt
1 kg Möhren, geschält und klein gewürfelt
750 g mehligkochende Kartoffeln, geschält und klein gewürfelt
Salz und frisch gemahlener Pfeffer
¼ l Wasser
½ Bund frische Petersilie, Stile und Blätter separat gehackt
1 Spritzer Zitronensaft
1 TL Zucker

Zubereitung

  • 3 EL Öl in einem großen breiten Topf erhitzen und die Zwiebel darin glasig anschwitzen. Kartoffel- und Möhrenwürfel und Petersilienstiele dazugeben und etwa 2 Min mitdünsten und gelegentlich umrühren. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.
  • Mit Wasser ablöschen und mit verschlossenerem Deckel etwa 20 Min sanft köcheln. Gelegentlich umrühren und evtl. Wasser nachgießen. Am Ende soll der Eintopf eine sämige Konsistenz haben und nicht zu flüssig, aber auch nicht zu trocken sein.
  • Kurz vor dem Servieren mit Zitronensaft, Zucker, Salz und frisch gemahlenen Pfeffer abschmecken. Möhrengemüse mit Petersilienblättchen bestreuen und zusammen mit frisch gebratenen Frikadellen oder Bratwürstchen servieren.
  • Am nächsten Tag schmeckt´s besonders gut!

Im Oktober 2013 ist mein Buch »Foodblogs und ihre besten Rezepte« im Hädecke Verlag erschienen.



Gourmand World Cookbook Award Winner 2014 for Germany. Category »Blog«.



48 kulinarische Erzählungen und Rezepte von 12 deutschsprachigen Foodblogger/innen. Nachgekocht, fotografiert und genussvoll verzehrt von Ariane Bille. Konzipiert und kreiert als Buch, App und Blog.


Vice Content Network

»Das Buch bringt viele Perspektiven zusammen und kommt so der kulinarischen Bewegung im Web erstaunlich nahe – ihren Protagonisten und Motiven, der Kochlust samt Rezepten.« Valentinas-Kochbuch



Mizzis Küchenblock | Der Genussblog von Hädecke