Kulinarische Momentaufnahmen
Claus Schlemmer
Freitag, 30. Dezember 2011 - von Ariane

Claus Schlemmer

Update Mai 2013: Alle Interviews, die hier im Blog zu lesen sind, habe ich für das erscheinende Buch in der Caramelized-App (Juni 2013) und im Hädecke Verlag (Herbst 2013) komplett überarbeitet und ergänzt. Hier im Blog sind sie noch in der alten Version zu lesen.

Das Beste kommt zum Schluss und sogar noch rechtzeitig vorm Jahreswechsel: Das Interview mit Claus von Nur das gute Zeugs, welches ich im Sommer 2010 mit ihm geführt habe. Nun sind sie alle vollständig. Viel Spaß beim Lesen!

Ariane: Claus, Du bist erst seit September 2009 unter die Foodblogger getreten. Kannst Du kurz schildern, wie und warum es mit »Nur das gute Zeugs« losging? Was macht Deinen Blog aus?

Claus: Obwohl ich schon länger im Internet immer mal wieder nach Rezepten suche, bin ich erst letztes Jahr bewusst auf die Foodblogs gestoßen. So richtig kapiert hab ich die Möglichkeiten, die sich bieten, erstmal nicht. Auf jeden Fall fand ich´s faszinierend, was da so alles geschrieben wurde.

Es gab eigentlich zwei Gründe, selbst damit anzufangen. Ich suchte schon länger nach einer Möglichkeit, meine Kocherfahrungen, Missgeschicke und Rezepte für mich selbst festzuhalten. Und dann wollte ich meinem näheren Umfeld nicht länger mit meinem ständigen Gesülze übers Essen und Trinken auf den Geist gehen. Da hat sich das Bloggen förmlich aufgedrängt.

Ich hab dann ein paar Posts bei nem Google-Konto losgelassen, dann hat mir mein PC-Schrauber aber WordPress und die eigene Domain empfohlen, das hab ich dann auch gemacht. So richtig blick ich da aber immer noch nicht durch.

Ariane: Welche Bedeutung hat das »dlz-coc« in der URL Deines Blogs?

Claus: Das bedeutet »Dienstleistungszentrum Cochem«, die Domain meines Betriebs, bisher, außer fürs Bloggen, noch ungenutzt.

Ariane: Was ist so richtig gutes Zeugs und wo kaufst Du es am Liebsten ein?

Claus: Richtig gutes Zeugs ist das, bei dem man die Handschrift des Erzeugers schmeckt und spürt. Niemals »billig«, immer preiswert. Im Idealfall kenne ich die Leute persönlich, beim Wein hab ich idealerweise schon mal mit dem Winzer einen getrunken.

Tja, die Beschaffung, das ist so ein heikles Thema. Am liebsten kaufe ich natürlich direkt beim Hersteller. Das ist aber häufig ein Zeitproblem. Am schwierigsten ist hier bei uns der Einkauf von jeglichem Grünzeug. Basics gibt’s bei mir aus dem Großhandel, ab und zu mal aus dem Discounter.  Fleisch nur vom Metzger .

Ariane: Du bist Familienvater, Deine Kinder werden in Deinen Einträgen sehr oft von Dir erwähnt. Wie erziehst Du Deine Kinder aus kulinarischer Sicht?

Claus: Meine Kinder erziehe ich kulinarisch nur indirekt, und zwar indem ich so bin wie ich bin. Die können in dem Bereich tun und lassen, was sie wollen. Mein Zeugs essen, selbst kochen oder zum Türken gehen.

Es ist immer wieder erstaunlich, wie sich meine Spinnerei auf die Kids auswirkt. Alle fünf sind in der Lage, etwas Essbares auf den Tisch zu bekommen, teilweise echt verwegen, aber so war´s bei mir früher auch. Alle meine Kinder kennen Zutaten wie Zitronengras, Raz el Hanout, Piment d´Espellete, Jakobsmuscheln; aber auch die verschiedenen Kartoffelsorten oder die Mehltypisierung. Und das ohne Hauswirtschaftsunterricht. Vorleben, das isses!

Ariane: In vielen deutschen Familien gibt es aus Zeitgründen keine festen, gemeinsamen Mahlzeiten. Stattdessen wird die Tiefkühlpizza stumm vorm Fernseher konsumiert, die Kinder lernen keine Basistechniken des Kochens und besitzen ungenügende Kenntnisse einer gesunden Ernährung. Wie stehst Du zu dieser Entwicklung und wie sollte Deiner Meinung nach gehandelt werden?

Claus: Ja, das ist ne schlimme Entwicklung. Eine Patentlösung hab ich da auch nicht. Es kann sich nur von unter her ändern, von oben herab, mit irgendwelchen Programmen läuft da gar nix. Ich muß in dem Zusammenhang immer an das Scheitern Jamie Olivers bei der englischen Schulkantinenkampagne denken.

In Zeiten, in denen Plastik-Erdbeer-Joghurts erdbeeriger schmecken als jede noch so tolle Bio-Erdbeere aus dem eigenen Garten ist das alles sehr schwierig.

Seitdem meine Kinder laufen können, sind wir fast jedes Jahr mit dem Fußballverein oder nur mit befreundeten Vätern und deren Kids Zelten gefahren. Wir haben immer frisch gekocht, immer vom Feinsten, viel Gemüse, viel Salat, ganze Tiere (Fisch, Spanferkel vom Grill). Allen, wirklich allen Kids hat´s, nach anfänglichem Zögern, geschmeckt. Auch denen die sonst zur MacD-Fraktion gehören. Es ist nicht völlig hoffnungslos.

Ariane: Warst Du schon immer kochverrückt oder gab es auch Zeiten, in denen Du Essen nicht so wichtig genommen hast?

Claus: Essen und Trinken war für mich seit meiner Kindheit sehr wichtig.

Ariane: Glaubst Du, dass Foodblogs im Hinblick auf die angesprochene Vorbildfunktion die kulinarische Welt verändert haben?

Claus: Nein, ich glaube das nicht. Ich vermute, dass Foodblogs überwiegend von eh schon Infizierten gelesen werden. Zumindest die Post-Kommentare kommen nur aus der »Scene«.

Ariane: Die Tendenz geht weg vom Print und hin zum Web. Trotzdem kommen immer mehr neue Kochbücher auf den Markt und gerade Foodblogger sind deren Käufer. Was können wiederum Kochbücher, was das Netz nicht kann?

Claus: Ich besitze jede Menge Kochbücher und es kommen ständig neue hinzu. Ich »schmökere« darin, so wie andere in einem Krimi. Außerdem hole ich mir ständig neue Anregungen ohne die Rezepte nur stur nachzukochen. Es ist halt was anderes, ein Buch in der Hand zu halten als am PC zu hocken. Ich weiß nicht, ich kann´s nicht richtig beschreiben …

Ariane: Ist das Kochen, Essen und darüber Schreiben bzw. Reden ein Ausgleich für Dich?

Claus: Absolut. Und es macht noch immer tierisch viel Spaß.

Ariane: Stell Dir vor, die Kaltmamsell würde die Einladung eines Abendessens bei Familie Schlemmer annehmen. Wie stellst Du Dir den Abend vor und was würdet ihr gemeinsam kochen?

Claus: TAPAS – in allen Variationen! Eine gewaltige Ladung gutes Zeugs in die Küche gestellt und dann: Kochen-Trinken-Essen-Reden-und wieder von vorn. Ich glaub, das würde der Kaltmamsell gefallen.

Ariane: Claus, vielen Dank für das Interview!

Kommentare

  1. Lilly49 - 21. Dezember 2012 um 06:21

    Was ist denn mit Deiner “NUR DAS GUTE ZEUGS”-Seite los?
    Seit gestern nicht zu erreichen!
    LG Sisi

  2. Ariane - 21. Dezember 2012 um 08:11

    Liebe Sisi, Claus hat Probleme mit seinem Blog, deswegen ist er offline und Du kannst ihn nicht aufrufen. Über seine Facebook-Seite bleibst Du trotzdem auf dem Laufenden.
    Liebe Grüße

Interview mit Claus Schlemmer

Im Oktober 2013 ist mein Buch »Foodblogs und ihre besten Rezepte« im Hädecke Verlag erschienen.



Gourmand World Cookbook Award Winner 2014 for Germany. Category »Blog«.


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48 kulinarische Erzählungen und Rezepte von 12 deutschsprachigen Foodblogger/innen. Nachgekocht, fotografiert und genussvoll verzehrt von Ariane Bille. Konzipiert und kreiert als Buch, App und Blog.


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»Das Buch bringt viele Perspektiven zusammen und kommt so der kulinarischen Bewegung im Web erstaunlich nahe – ihren Protagonisten und Motiven, der Kochlust samt Rezepten.« Valentinas-Kochbuch



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