Kulinarische Momentaufnahmen
Tuesday, 3. April 2012 - von Ariane

Delhi-Belly, Patnem-Beach und Surya’s Beach Café in Goa

Heute beginne ich mal von hinten: Unsere Indienreise führte uns von Mumbai nach Udaipur, von dort durchquerten wir Rajasthan (Jodhpur, Jaisalmer, Bikaner, Pushkar, Jaipur, Bundi) und ein kleines Stück Uttar Pradesh (Agra und Delhi) und ganz zum Schluß flogen wir für ein paar entspannte Tage in den kleinsten indischen Bundesstaat Goa. Von Goa will ich Euch heute erzählen, hier sind meine Erinnerungen noch ganz frisch und wenn ich so aus dem Fenster blicke, werde ich ganz wehmütig dabei.

Unser Ziel in Goa war Patnem Beach, ein kleiner Strandabschnitt der uns in Delhi von einem britischen Pärchen empfohlen wurde. Im Gegensatz zum Norden Goas gibt es im Süden noch einsame, fast verlassene Strände, genau das brauchten wir nach vier Wochen Rajasthan. Schon am Flughafen von Goa lernten wir Boris aus London kennen, der uns auf der Fahrt nach Patnem einige Tipps gab: Wir erfuhren, dass man überall ausgezeichneten Fisch serviert bekommt und dass Boris in Patnem »die beste Pizza seines Lebens« in einem Restaurant mit dem schönen Namen Magic View gegessen hatte. »Armer Boris«, dachte ich, »die beste Pizza meines Lebens werde ich sicherlich nicht in Indien essen.« Als er aber von einem Strandlokal am 17 km entfernten Galgibaga– bzw. Turtle Beach erzählte, dass von Gordon Ramsay höchst persönlich empfohlen wurde, spitzte ich meine Ohren: Das Surya’s Beach Café. Noch nicht einmal am Ziel angekommen, stand fest: Da müssen wir hin!

Bevor wir aber unser kulinarisches Abenteuer in Angriff nahmen, mussten wir uns erstmal wieder von unserer in Delhi eingefangenen Magenverstimmung erholen. Wir dachten eigentlich, nachdem wir das indische Essen drei Wochen mehr oder weniger vertragen hatten, könnte uns nichts mehr passieren. Leider war dem nicht so. Irgendwann erwischt es jeden, wir befanden uns ein paar Tage in der Hölle. Eine schöne Bezeichnung unserer Krankheit habe ich in Helge Timmerbergs Buch Shiva Moon. Eine Reise durch Indien gefunden: Delhi-Belly. Schön oder? Das Wort wurde sogar ins Oxford English Dictionary aufgenommen.

Nach der Hölle kam das Paradies. Goa – das war unsere Rettung, unser Glück! Wir mieteten uns eine kleine Hütte im Secret Garden, morgens wurden wir von Vogelchören und anderen undefinierbaren, urwaldartigen-Tiergesängen geweckt, der Palmenstrand lag 10 Minuten entfernt und das Beste: Nach vier Wochen Vegetarier-Dasein aßen wir unseren ersten Fisch. Es war der Himmel auf Erden.
Und viel mehr passierte dann in Patnem auch nicht. Essen, bzw. das darüber Nachdenken wo und was als nächstes gegessen werden sollte, war neben Sonnenbaden, Schwimmen und Lesen unsere Hauptbeschäftigung. Am dritten Tag hatten wir jedes Gericht der Fischkarte des Boom Shankar bestellt und erinnerten uns wieder an das Surya’s Beach Café. Wir mieteten uns einen kleinen Scooter und brausten durch die Palmenwälder an der Küste entlang zum Turtle-Beach. Das Surya’s Beach Café war entgegen unserer Vorstellungen kein überteuertes, schickes Strandrestaurant. Im Gegenteil, es besteht lediglich aus einer kleinen Strandhütte, davor stehen ein paar Plastiktische mit Stühlen, in den Bäumen baumeln Hängematten. Wir waren positiv überrascht und freuten uns, dass wir trotz des Bekanntheitsgrades durch Gordon Ramsay ein authentisches, indisches Strandlokal vorfanden, das noch dazu in unser Urlaubsbudget passte.
Wir wurden gleich von Surya empfangen, der uns die am Morgen gefangenen frischen Fische, Austern und Krabben seines Vaters zeigte. Als Vorspeise suchten wir uns Oysters Goan Style aus, mein Liebster bestellte Red Snapper und ich Crab Goan Style (meine erste Krabbe!). Surya informierte uns, dass die Zubereitung des Essens ca. eine Stunde dauern werde. In der Zwischenzeit gingen wir im Meer baden und tranken das ein oder andere kalte Bierchen, so dass unser Hunger fast nicht mehr auszuhalten war. Die Austern kamen in einem Paprika-Curry zusammen mit frischen Chips. Ganz nach meinem Geschmack, der Liebste allerdings verschmähte sie wegen seiner Abneigung zu Paprika. Ich war schon fast satt, nachdem ich die Austern alleine aufgegessen hatte, da kam auch schon die Krabbe. Wie man so eine Krabbe isst, darüber war ich mir nicht im Klaren, deswegen ließ ich es mir von Surya erklären. Man braucht eigentlich nur einen Nussknacker, ein bisschen Kraft und seine Hände. Die Minigabel die man auf dem Foto sieht, ist die etwas elegantere Lösung, aber das dauerte mir zu lange. Das zarte Fleisch der Krabbe zerging mir auf der Zunge und war im Nu verputzt. Der Red Snapper des Liebsten war auch gelungen, aber aus dem Tandoor, wie wir ihn ein paar Tage vorher gegessen hatten, schmeckte er uns besser. Satt und zufrieden blickten wir auf´s Meer und beobachteten die Silhouetten der am Strand entlang wandernden Kühe. Wunschlos glücklich! Und das lässt sich noch toppen, es gab sogar noch Nachtisch. Ganz einfach, leicht und frisch: Kokosnuss.

Falls hier jemand mitliest, der in naher Zukunft eine Reise nach Goa geplant hat, dem kann ich wärmstens empfehlen dort vorbeizuschauen:

Surya´s Beach Café
Fresh Oyster, Mussels, Crab and Fish
Galgibag (Turtle) Beach
Canacona Goa

P.S. Die Pizza im Magic View war besser als ich dachte, aber trotzdem nicht annähernd die beste meines Lebens. Es gibt auch keinen Grund in Indien Pizza zu bestellen, die indische Küche ist vielfältig genug. Wir haben es aber sogar am letzten Abend in Patnem nocheinmal gewagt und waren von der Pizza im Capo Nero sehr angetan. Der Pizzabäcker des Restaurants hat eine Zeit lang in Italien gelebt, das schmeckt man!

Hier ging die Reise los:
Indien in Bildern Teil 1 – Mumbai
Indien ind Bildern Teil 2 – Udaipur
Indien in Bildern Teil 3 – Jodhpur

Kommentare

  1. katha - 9. April 2012 at 10:59

    goa reizt mich ja gar nicht, aber deine beschreibung ist schön. vom delhi belly bin ich zum glück (als eine der wenigen von uns) verschont geblieben.

  2. Ariane - 11. April 2012 at 08:44

    Da hast Du wirklich Glück gehabt, Katha! Aber Du warst ja auch kürzer da, in der ersten drei Wochen blieben wir auch verschont und dachten wir wären immun dagegen ;) Von Goa haben wir vor unserer Reise viele geteilte Meinungen gehört und waren dann doch sehr überrascht wie schön es dort ist. Der Norden Goas reizt mich allerdins auch überhaupt nicht, auf Partytouristen und Hotelanlagen kann ich verzichten.

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