Kulinarische Momentaufnahmen
Saturday, 17. May 2014 - von Ariane

Eine Reise nach Ecuador Teil 2 – Von Guayaquil nach Cuenca

In den Norden nach Cuenca

Wir sausen im Minibus durch die Vorstadtwüste, an Obstständen, sich am Spieß drehenden Spanferkeln, Kakao- und Bananenplantagen vorbei, bis wir in die gewaltige Natur eintauchen. Meter um Meter kurven wir die Serpentinen der Anden hinauf, während unser Fahrer Max energisch ins Gaspedal tritt. Ohne Rücksicht auf Verluste taucht unser Bus in die mystischen Nebelwälder ein. Ich halte den Atem an und frage mich ob Max Hellsehen kann. Die Sicht ist nicht mal zwei Meter weit und er düst von einer Kurve in die andere, ohne zu sehen wohin uns die Reise führt.

El Cajas

Irgendwann haben wir eine Höhe von 4450 m über dem Meeresspiegel erreicht und befinden uns am höchsten Punkt des Nationalparks El Cajas. Hier sind Andenkondor, Brillenbär, Bergtapir, Puma und Ozelot zu Hause. 152 Vogel- und 40 verschiedene Säugetierarten beheimatet das Naturschutzgebiet. Das Panorama der 28.500 Hektar weiten Tundravegetation mit ihren tiefblauen Lagunen, knorrigen, moosbewachsenen Papierbäumen und spitzen Felsen (es sind etwa 270 an der Zahl) hat etwas Märchenhaftes. Verwunderlich, dass ich keinen Hobbits, Elben und Orks begegnet bin. Dafür mache ich aber Bekanntschaft mit Alpakas und Kühen, die etwas weiter unten im Tal links und rechts der alten Inkastraße Richtung Cuenca grasen.

Die dünne Andenluft macht nicht nur schwindelig, sondern auch hungrig. Max hält bei Dos Chorreras, hier sollen die Weitgereisten ihren Hunger mit frisch gefangenen Forellen stillen: Gegrillt, frittiert oder gebraten. Vorher gibt es Locro quiteño eine deftige Kartoffelsuppe mit Avocado und hartgekochtem Ei, die mit Ají, einer aus rohen Chilischoten bestehenden Sauce, geschärft wird. Ecuador ist die Heimat unzähliger Kartoffelsorten, die Pflanze wird hier seit 7000 Jahren angebaut und zählt neben Mais und Reis zu den Hauptnahrungsmitteln. Eddy erzählt mir, dass die Locro quiteño aus drei verschiedene Kartoffelarten gekocht wird. Welche das sind, entscheidet jeder Koch selbst.

Das Ambiente des Dos Chorreras ist außergewöhnlich: Große Glasfronten die sich dem Papierwald öffnen, rustikale Holzmöbel, weit offene Räume. Hier lässt es sich leben und genussvoll speisen, besonders nach einer Wanderung durch den Nationalpark.

Hosteria Dos Chorreras
Km 21 vía al Cajas
Turupamba 010150
Ecuador

Satt setze ich mich zurück in den Bus. In nicht mal 20 Minuten Fahrtzeit erreichen wir Cuenca. Hier  werden wir im Hotel Oro Verde empfangen und wieder staune ich über das luxuriöse Zimmer, das ich für die nächsten fünf Nächte beziehen werde.

Mit dem Taxi nach Cuenca

Hotelzimmer schön und gut, ich will raus und mich ins Unbekannte stürzen. Zusammen mit Ole, einem weiteren Mitreisenden, schlendere ich Richtung Zentrum. Die Stadt scheint wie ausgestorben. Wir nehmen ein Taxi und fahren durch die sonntägliche Geisterstadt, bis wir an einem belebteren Platz ankommen. An der Kathedrale Plaza Abdón Calderón setzen wir uns in einer Seitenstraße ins Don Colon, bestellen dos cervezas und hausgemachte Nachos mit Guacamole. Aycaramba, ist das gut! Das Bier macht redselig – erstaunlich wie schnell man sich neuen Bekanntschaften in der Fremde öffnet.

Don Colon
Plaza Abdón Calderón
Cuenca, Ecuador

Nach dem zweiten Bier spüre ich den Jetlag, die Müdigkeit überrollt mich schleichend und das herbeigerufene Taxi fährt mich direkt ins weiche Daunenbett. Ich fühl´ mich wie die Prinzessin auf der Erbse, lese keine zwei Seiten meines Buchs und schlafe endlich ein.

Aus der Reihe Eine Reise nach Ecuador

Im Oktober 2013 ist mein Buch »Foodblogs und ihre besten Rezepte« im Hädecke Verlag erschienen.



Gourmand World Cookbook Award Winner 2014 for Germany. Category »Blog«.



48 kulinarische Erzählungen und Rezepte von 12 deutschsprachigen Foodblogger/innen. Nachgekocht, fotografiert und genussvoll verzehrt von Ariane Bille. Konzipiert und kreiert als Buch, App und Blog.


Vice Content Network

»Das Buch bringt viele Perspektiven zusammen und kommt so der kulinarischen Bewegung im Web erstaunlich nahe – ihren Protagonisten und Motiven, der Kochlust samt Rezepten.« Valentinas-Kochbuch



Mizzis Küchenblock | Der Genussblog von Hädecke