Kulinarische Momentaufnahmen
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Freitag, 13. März 2015 - von Ariane

Gegen Herzschmerz und Fernweh: Pastéis de Nata

Ich bin frisch verliebt. Leider etwas unglücklich, denn die (!) Angebetete lebt 2.855,4 km von mir entfernt. Lissabon, die geheimnisvolle Metropole am Atlantik und der Tejo-Mündung, hat mir den Kopf verdreht.

Gegen Liebeskummer und Fernweh hilft nur eins: Pastéis de Belém. Knuspriger Blätterteig umhüllt warme leicht süße Eiercreme, die mit einem Hauch Zimt bestäubt wird. Das macht süchtig. Das sagenhafte Nationalgebäck der Portugiesen hat in Lissabon seinen Ursprung und wird in der bekannten Bäckerei Pastéis de Belém seit 1837 nach geheimen Rezept gebacken. Man sagt sich, die Nonnen hätten mit dem Eiweiß ihre Kleider und Hauben gestärkt und mit dem übrig gebliebenen Eigelb dieses süchtigmachende Gebäck erfunden.

Das Rezept habe ich in dem wundervollen Buch Die portugiesische Küche von Alexandra Klobouk und Rita Cortes Valente de Oliveira entdeckt. Das 256 Seiten starke Buch ist letztes Jahr erschienen, leider habe ich bisher noch nicht geschafft daraus zu kochen. Das wird sich jetzt ändern, denn so lange mein Herz unauffindbar in Lissabon verweilt, muss ich mir die portugiesische Küche eben nach Berlin holen.

Mein erster Pastéis de Nata-Versuch ist gelungen, allerdings schmecken sie mir in der Pastéis de Belém besser. Das mag die fehlende Atmosphäre der blau gekachelten Räume, der graue Berliner Himmel, oder aber der zu kleine Backofen sein :) Jedenfalls ist das Rezept sehr gut beschrieben und ich habe es auch wieder etwas abgewandelt: Orangenschale statt Zitrone und Kokosblütenzucker statt Kristallzucker (macht eine wunderbar karamellige Note).

Der Ceylon Zimt kommt übrigens von meinen Bürofreunden Chris, Richard und Steven. Mit der Zimtkampagne unterstützen sie Claire, die in Sri-Lanka Ceylon-Zimt in Permakultur anbaut. Dieser Zimt verlässt als einziger ungeschwefelt die Insel und hat ein ganz feines Aroma, dass wunderbar zu meinen Pastéis de Nata passt.

Pastéis de Nata für 6–8 Personen

Für die Creme
200 g Koksblütenzucker
2 EL Mehl
8 Eigelb
1/2 l Sahne
1 Prise Salz
abgeriebene Schale einer Bio-Orange

Für den Teig
450 g Blätterteig aus dem Kühlregal
Muffin-Förmchen
Ceylon-Zimt zum Bestreuen

Zubereitung

  • Backofen auf 260 Grad vorheizen.
  • Alle Zutaten für die Creme in einem Topf zu einer gleichmäßigen Masse verrühren. Alles unter ständigem Rühren erhitzen, bis die Creme aufkocht und leicht eindickt. In eine Schüssel geben und abkühlen lassen. Dabei gelegentlich umrühren, damit sich keine Haut bildet.
  • Den kalten Blätterteig dünn ausrollen und danach mit möglichst kalten Händen zu einer dichten Rolle aufrollen, bis sie einen Durchmesser von etwa 2,5 cm hat und die Teigschichten miteinander verbunden sind. Dabei muss man möglichst schnell arbeiten, damit sich der Teig nicht zu sehr erwärmt.
  • Die Rolle in etwa 1,5 cm breite Scheiben schneiden und je eine davon in eine Muffinform geben, sodass der Anschnitt von oben sichtbar ist.
  • Hände mit kaltem Wasser befeuchten. Den Teig von der Mitte nach Außen mit dem Daumen flachdrücken, sodass er sich am Rand des Förmchens hochschiebt. So entsteht der luftig knusprige Boden des berühmten Gebäcks.
  • Die erkaltete Creme bis 1 cm unter den Rand in die Förmchen füllen.
  • 8 bis 12 Min. auf mittlerer Schiene im sehr heißen Ofen backen. Dabei den Backvorgang beobachten, da die Creme karamellisieren, aber nicht kochen darf. Je nach Ofen muss man die Temperatur und Position variieren. Die Oberfläche der Pastéis muss am Ende recht dunkel sein.
  • Großzügig mit Zimt bestreuen und noch warm genießen!

Rezept leicht abgewandelt aus:
Die portugiesische Küche
A Cozinha Portuguesa
erschienen bei Kunstmann
Alexandra Klobouk / Rita Cortes Valente de Oliveira / Ricardo Jorge Pereira / Mariana Veloso / Eva Gonçalves / Luis Ehlert
ISBN 978-3-88897-940-8

Aus der Reihe Unterwegs in der Welt

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Im Oktober 2013 ist mein Buch »Foodblogs und ihre besten Rezepte« im Hädecke Verlag erschienen.



Gourmand World Cookbook Award Winner 2014 for Germany. Category »Blog«.



48 kulinarische Erzählungen und Rezepte von 12 deutschsprachigen Foodblogger/innen. Nachgekocht, fotografiert und genussvoll verzehrt von Ariane Bille. Konzipiert und kreiert als Buch, App und Blog.


Vice Content Network

»Das Buch bringt viele Perspektiven zusammen und kommt so der kulinarischen Bewegung im Web erstaunlich nahe – ihren Protagonisten und Motiven, der Kochlust samt Rezepten.« Valentinas-Kochbuch



Mizzis Küchenblock | Der Genussblog von Hädecke