Kulinarische Momentaufnahmen
Freitag, 8. Juni 2012 - von Ariane

Indien in Bildern Teil 2 – Udaipur

Die Reise durch Indien geht weiter. Heute kommen wir in Udaipur an, ein von Wasser umgebenes hübsches Städtchen ganz im Süden des Bundesstaates Rajasthan.

Mumbai – Udaipur, 16.02.2012

  • Über den Wolken: Kingfisher ist nicht nur eine Biermarke, sondern auch die Airline, die uns nach Rajasthan fliegt. Das Unternehmen ist finanziell schwer angeschlagen, wir hören von gecancelten Flügen und langen Wartezeiten. Na toll! Unser Flugzeug fliegt mit einer kleinen Verspätung ab, schon wieder Glück gehabt!
  • Geräusche: Rülpsen und die Nase hochziehen in der Öffentlichkeit– ein Graus für meine Ohren. Taschentücher sind hier verpönt, also lasse ich meine westlichen Gewohnheiten zu Hause und überhöre das Ganze. Sagen wir lieber: Ich versuche es. Ein Glück, dass im Flugzeug nicht auf den Boden gespuckt wird.
  • Bekanntschaften: Wir teilen uns ein Prepaidtaxi mit einem deutschen Pärchen. Zwei Globetrotter: Er hat seinen stressigen Job in einer Werbeagentur hingeschmissen, sie wusste nach dem Abi nicht was sie tun soll. Seit zwei Jahren reisen sie durch die Weltgeschichte. Schockiert sind sie von Indien, der Armut der Menschen, dem Dreck und Müll. Stolz erzählen sie von ihrer Slum-Tour durch Dharavi. Ich frage mich: Muss ich mich als westlicher „reicher“ Tourist auf einer Armutssafari am Leid Anderer ergötzen? Oder wird dadurch interkulturelle Kommunikation gefördert, so wie es die Veranstalter der Touren anpreisen?
  • Suchen und Finden: Unser Taxi kann die engen Gassen Udaipurs nicht passieren, deswegen müssen wir zu Fuß den Weg zu unserem Guest House finden. »In welcher Richtung geht´s zum Mewargarh Palace?«, fragen wir die Menschen, die uns umringen. »100 Rupee« ist die Antwort. Der Besitzer eines kleinen Straßenladens verrät uns den Weg. Auf Umwegen erreichen wir erleichtert und verschwitzt unser Guest House.
  • Aussicht: Rizwan, der Besitzer des Guest House, empfängt und führt uns in unser liebevoll eingerichtetes Zimmer. Blaue Wände, von der Decke baumelnde Elefanten-Mobilees, bunt bemusterte Bettwäsche, Räucherstäbchenduft. Urlaub! Von der Dachterasse blicken wir über Udaipur: Abenddämmerung, durch die Luft schwebende Gebetsrufe der Muslime, cremefarbene Häuser und Paläste. Noch mehr Urlaub!
  • Abendspaziergang: Unzählige Mopeds und Motorräder drängeln sich in alle Himmelsrichtungen durch enge Gassen. Wohin fahren die bloß alle? Kühe versperren den Verkehrsteilnehmern den Weg und hinterlassen Tretminen. Überall Kuhfladen! Ich übersehe im Straßengewusel einen sehr großen seiner Gattung, bleibe aber unverletzt.

Udaipur, 17.02.2012

  • Wenig Schlaf: Nach einer Nacht voller Totenklagen und Hundegebell, frühstücken wir auf der pinken Dachterasse Plain Toast, Banana Porridge und Masala Chai. Rizwan empfiehlt uns eine Rikscha für den ganzen Tag zu mieten. Er kennt da jemanden, der gleichzeitig auch den Tour-Guide für uns spielen will. Na gut, Rizwan! Du bist so sympathisch, das machen wir doch einfach mal!
  • Rikschafahrt: Verkehr, Chaos, Stau, Abgase, Lärm, Wind, hin- und her Geschaukel bis wir am Obst- und Gemüsemarkt ankommen. Dicke runde Orangen, Ingwer- und Korianderberge, zarte Blumenkränze. Kinder, die sich ein Foto wünschen. »Yes Madam, 1 picture. 10 Rupees, please Madam!« Gewürze in satten Farben, Chilisäcke, Nasenkribbeln. Basare. Glänzende Stoffe in undenkbar vielen Mustern und schillernden Farbtönen. Vogelschwärme überkreisen die Grabmale von Ahar, im Princess Garden verschnaufen wir ein Weile, während unser Fahrer Beten geht. Wir düsen an hübsch geschmückten Kamelen vorbei, die am Ufer des Pichola Sees auf Touristen warten. Mitten auf dem See steht das berühmte Lake Palace Hotel, einstiger Drehort des James Bond Films Octopussy. 4 Stunden später entscheiden wir uns die Tour abzubrechen und auf eigene Faust weiter zuziehen, weil uns der Fahrer leider immer mehr zu Orten führt, wo er sich Kommissionen einstreichen kann. Verständlich, aber darauf haben wir jetzt keine Lust mehr.
  • Mittagessen: Der Reiseführer preist das Restaurant Savage Garden als herausragend an. Mal sehen was da dran ist. Auf der Karte finden wir Pastagerichte, das Ganze ist sehr europäisch angehaucht. Kein Wunder– der Inhaber kommt aus Deutschland. Der Liebste entscheidet sich für ein Bananen-Curry. Auf meinem Teller befinden sich Auberginen mit Reis und mediterranen Gewürzen im Parmesannetz. Schmeckt alles ganz lecker, aber nicht herausragend. Uns sind die indischen Fresshallen lieber.
  • Ausklang: Wir drängeln uns zusammen mit Rikschas, Mopeds, Motorrädern, Fahrrädern, anderen Fußgängern und Hochzeitsparaden durch die schmalen Gassen der Altstadt, bis wir am Clock Tower ankommen. Das war genug für heute. Am Pichola See lassen wir den Tag mit Blick auf die funkelnde Silhouette der Stadt ausklingen.

Udaipur, 18.02.2012

  • Stadtpalast: Peinlich. Wie haben wir es geschafft bis jetzt den Stadtpalast zu versäumen? Schließlich ist es die, aus elf unterschiedlichen Palästen bestehende, größte indische Maharana-Palastanlage. Mit unserem Audioguide sind wir für den halben Tag im City Palace Museum beschäftigt. Beeindruckend!
  • Automatensuche: Unser Geld geht aus, neues muss her! Die Geldautomaten in der Umgebung sehen wenig vertrauenswürdig aus. Nach einstündiger Suche finden wir einen. Das macht hungrig. Erschöpft setzen wir uns in ein überfülltest Restaurant und essen gut zu Mittag. Jetzt wissen wir, wie es in indischen Küchen aussieht. Ich will nicht darüber reden, geschweige denn nachdenken.

Udaipur, 19.02.2012

  • German Bakery: Frühstück gibt´s heut mal nicht im Guest House. Wo dann? Im Café Edelweiß. Das wird nämlich vom Lonely Planet »recommended«. Aha! Und überhaupt, unser Reiseführer ist sowieso viel zu uncool. Klebrig süßer Dattel-Walnuss-Pie und Mocca-Brownie mit Masala Chai zum Frühstück? Verführerisch!
  • Wäsche: Wo wird wohl unsere Wäsche gewaschen, wenn wir sie bei Rizwan abgeben? Nicht etwa in der Waschmaschine, neiiiin! Im See. Im See? In dem grünen Dreckswasser voller Algen? Echt jetzt? Aber dann wird die Wäsche doch noch dreckiger … Optisch wird sie sauber, aber sie  müffelt danach nur ein kleines Bisschen. Ab jetzt ist Handwäsche angesagt.
  • Oben: Top of the Hill ist die nächste Station. Wir lassen uns, faul wie wir sind, mit einer Seilbahn auf die Bergspitze fahren. Oben erwartet uns ein grandiose Aussicht auf Udaipur, das Venedig des Ostens.
  • Kochkurs: Da hab ich mich den ganzen Tag drauf gefreut! Bei Shashi wird gekocht, dass sich die Tische biegen und wir dürfen mitmischen. Zusammen mit zwei Pärchen aus Italien und Köln schnibbeln, brutzeln, frittieren, kneten, rühren und braten wir indische Köstlichkeiten bis tief in die Nacht hinein. Bepackt mit Doggybags und einem Stapel indischer Rezepte kommen wir satt und glücklich in unserem Guest House an. (Mehr dazu bald in einem extra Blogeintrag!)

Udaipur – Jodhpur, 20.02.2012

  • Aufbruch: Rhana, unser Fahrer, holt uns in aller Frühe mit einem kleinen weißen Tata Indigo ab, um uns die nächsten zwei Wochen durch Rajasthan zu fahren.
  • Adieu: Tschüs Udaipur. Tschüs Rizwan und Familie. Ihr wart so süß und hilfsbereit. Sollten wir noch mal nach Udaipur kommen, dann nur zu euch!

Indien in Bildern Teil 1 – Mumbai
Indien in Bildern Teil 3 – Jodhpur
Delhi-Belly, Patnem-Beach und Surya’s Beach Café in Goa

Kommentare

  1. Jens - 10. Juni 2012 um 18:31 Uhr

    Einfach nur zum neidisch werden …
    Tolle Bilder!

  2. Ariane - 18. Juni 2012 um 21:18 Uhr

    Hach jaaa … Fernweh! Danke, Jens!

Im Oktober 2013 ist mein Buch »Foodblogs und ihre besten Rezepte« im Hädecke Verlag erschienen.



Gourmand World Cookbook Award Winner 2014 for Germany. Category »Blog«.



48 kulinarische Erzählungen und Rezepte von 12 deutschsprachigen Foodblogger/innen. Nachgekocht, fotografiert und genussvoll verzehrt von Ariane Bille. Konzipiert und kreiert als Buch, App und Blog.


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