Kulinarische Momentaufnahmen
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Donnerstag, 21. April 2016 - von Ariane

Kulinarische Reisepost aus Japan 5: Meine Kyoto Highlights

Ich reise allein durch Japan! Damit ich mich nicht einsam fühle, teile ich meine Reiseeindrücke und Gedanken mit meinen Lieblingsmenschen. Heute erzähle ich Johanna und Christoph, meinen Freunden aus Berlin die zufällig auch zur gleichen Zeit durch Japan reisen, von meinen Highlights in Kyoto.

Liebe Johanna, lieber Christoph,

verrückt, dass wir uns in Tokio getroffen haben! So, als ob es das Normalste auf der Welt wäre. Aber wenn´s in Berlin nicht klappt, dann eben in Tokio! Nein, aber mal im Ernst. Das müssen wir ändern ;)

Weil ihr gerade in Kyoto seid, dachte ich mir, die nächste „Kulinarische Reisepost“ euch zu widmen. Ich erzähl´ euch einfach mal von meinen Highlights in Kyoto. Vielleicht ist der ein oder andere Tipp ja hilfreich für euch. Einige sehenswerte Dinge mögen fehlen, aber die könnt´ ihr mir dann ja einfach verraten, wenn wir uns bald wieder in Berlin treffen!

Hier also meine ganz persönlichen Kyoto-Highlights:

Kyoto mit dem Fahrrad erkunden
Wenn das Wetter mitspielt, lässt sich Kyoto wunderbar mit dem Fahrrad erkunden. Ich hab´s sogar bei Regen gemacht, um meinen Fuß zu schonen. Das ist zwar nicht so schön wie bei Sonnenschein, aber dafür habe ich ganz viele Japaner mit Regenschirm Fahrradfahren sehen. Niedlich! Am Kamo-gawa Fluss kann man eine schöne Strecke entlang fahren, wenn man mal ein bisschen schneller voran kommen möchte. Ich habe viele Fahrradverleiher in der Stadt gesehen – am besten mietet man es also in der Nähe seiner Bleibe. Einfach mal googeln.

Japanische Messer bei Hayakawa Hamono
Ein Freund von mir hat mir den kleinen Messerladen von Hayakawa Hamono in Kyoto empfohlen. Der Besitzer ist über 80 und verkauft in seiner Messerschleiferei Messer aus ganz Japan für die verschiedensten Zwecke. Hayakawa Hamono führt den Familienbetrieb und lebt gegenüber des Lädchens in der Nähe der U-Bahnstation Kawaramachi mit seiner Frau, die während meines Messerkaufs hereinschneite um mir ein kleines Tellerchen mit Yuzu (jap. Zitrusfrucht) zu reichen. Nachdem mir Hayakawa Hamono die beiden Messer noch kostenlos graviert hat, und ich ihn nach einem guten Ort zu Abendessen fragte, bin ich mit seinem Kollegen in einer Izakaya (japanische Kneipe) gelandet. Nach zwei Bier, frischem Tofu, Edamame und Pickles entschied ich noch zwei weitere Messer-Geschenke als Mitbringsel zu kaufen. Es war schon kurz vor Ladenschluss, aber ich Glückspilz habe sogar für die beiden Messer noch eine Gravur bekommen. Als ich mich wieder hoch motiviert auf mein Fahrrad schwingen wollte, regnete es aus Eimern. Am Ende bin ich dann in einem knallroten Regenanzug von Hayakawa Hamonos Sohn nach Hause geradelt.

Ein wirklich toller, mit Herz geführter Laden. Das war wieder eine dieser Reise-Begegnungen, die ich nie vergessen werde! Für ein mittelgroßes Allround-Messer habe ich um die 35–40 € bezahlt – ein absolut angemessener Preis!

  • Hayakawa Hamono
    Higashimaecho, Shimogyo Ward, Kyoto, Kyoto Prefecture 600-8074

Ein langer Nachmittag in Arashiyama
Arashiyama war von meinem Airbnb ein Katzensprung entfernt, deswegen bin ich gleich am zweiten Tag gegen Mittag dorthin hingefahren. Auch hier habe ich mir wieder ein Fahrrad geliehen (gegenüber der Bahn-Station). Im Nachhinein würde ich aber viel früher dort aufkreuzen, denn es war recht viel los um die Uhrzeit.

Der Bambushain war der Hauptgrund meines Besuchs. Zuerst fand ich es recht unspektakulär den Weg mit all den anderen Touristen entlang zu spazieren. Aber je tiefer ich in den Bambuswald ging, desto mythischer wurde er. Man muss sich Zeit geben, dann sieht man diesen Ort, trotz der vielen Menschen, mit anderen Augen.

In Arashiyama selbst kann man aber auch viel Zeit verbringen. Die Parkanlage um den Bambushain herum ist toll. Am höchsten Punkt hat man einen wunderschönen Blick auf Kyoto und auf der anderen Seite in die grün bewachsenen Täler. Und man kann auch wieder am – oder auch auf – dem Ôigawa-Fluss entlangfahren bzw. spazieren.

Im Ort selbst gibt es an jeder Ecke Matcha-Eiscreme, Souvenirläden und Restaurants. Aufgefallen ist mir ein süßer Minibus aus dessen Sirene ein Comic-Stimmen-Lied zu hören war. Ein alter Mann verkauft dort gedämpftes Gebäck. Ich hatte eine Art gedämpften Orangenkuchen, der nur ganz wenig süß aber trotzdem total aromatisch war. Sehr zu empfehlen – allein wegen der Sirene ;)

Ein Spaziergang durch Higashiyama und Gion
Die beiden Stadtteile habt ihr wahrscheinlich schon längst abgegrast. Ich habe hier einen ganzen Tag verbracht und mir in Ruhe einige Tempel, Schreine und Gärten angeguckt.

Am interessantesten fand ich aber die hübschen Japanerinnen, die sich dort elegant im Kimono gekleidet, vor jedem Kirschbaum oder Schrein mit ihren Smartphones fotografieren lassen haben. Auch hier war es wieder Recht überlaufen, aber wenn man ein paar Straßen abseits der großen Attraktionen läuft, wird man mit ruhigen pittoresken Gassen oder verlassenen Schreinen belohnt.

Eisessen bei Kinana Honten / Kyo Kinana
Auch diese Eisdiele findet ihr in so einer abgelegenen Gasse in Gion. Kyo Kinana ist nicht so leicht zu finden, weil nur der japanische Name auf dam Fähnchen steht. Auch sonst lässt der Eisladen von außen nicht darauf schließen, dass man hier das wohl beste Eis Kyotos essen kann. Es lohnt sich also ein bisschen danach zu suchen.

Ihr wisst ja, wie süchtig ich nach Eis bin. Deswegen habe ich kein Problem danach zu suchen. Dafür liegt die Messlatte dann aber auch hoch.

Ich hätte vor meiner Reise nie gedacht, dass die Japaner so verrückt nach Eis sind. Man kann hier ja quasi an jeder Ecke Matcha-Softeis schlecken.

Das Eis bei Kyo Kinana ist aber wirklich außergewöhnlich. Ich habe mir dort einen Becher mit Matcha-, Sesameis, Blaubeeren und Joghurt bestellt. Dazwischen versteckten sich kleine Reiskuchen-Bällchen und Sponge-Cracker. Das war wirklich ein Fest für alle Sinne: visuelles, geschmackliches und haptisches Eiskino! Cremig, natürlich süß und das perfekte Zusammenspiel von Konsistenz, Textur und Temperatur.

Die Spezialität des Ladens ist allerdings die frisch gemachte „Dekitate Eiscreme“. Ich hatte ja nach dem riesengroßen Eisbecher gerne noch die Spezialität des Hauses probiert, hab´s mir dann aber doch verkniffen. Probiert ihr die bitte unbedingt für mich aus?

Ein Kochkurs bei Emi
Nachdem ich so viel Spaß bei Chicayo in Tokio hatte, wollte ich unbedingt noch einen Kochkurs machen. Diesmal habe ich Emi kennengelernt, die mir Shojin Ryori, die buddhistische vegetarische bzw. vegane Küche näher brachte. Ich werde dem Kochkurs noch mal einen eigenen Blogartikel widmen, bevor meine Erzählungen darüber jetzt ausufern. Es war jedenfalls wieder ein ganz tolles kulinarisches Erlebnis mit Einheimischen zu Hause zu kochen und zu sehen, wie sie leben und essen.

Der Kochkurs hat etwa 45€ gekostet und ich habe mich dafür schon zwei Wochen vorher angemeldet. Aber vielleicht habt ihr ja noch Glück und es werden Plätze frei …

  • uzuki Cooking with Emi Hirayama

Nikishi Markt
Der Nikishi Markt war für mich natürlich ein Muss! Ich liebe Märkte und besuche sie in jeder neuen Stadt in der ich ankomme. Wenn man sich einen Überblick über das Essen Kyotos verschaffen will und keine Zeit hat alles zu probieren (das schafft wohl kein Reisender), hat man hier auf dem Markt zumindest die Möglichkeit sich einmal alles anzugucken: Frischer Tofu (für den Kyoto so berühmt ist), Tsukemono (eingelegtes Gemüse), Wagashi (japanische Süßigkeiten), frischer Fisch und Meeresfrüchte, Tee  undundund …

Sojamilch Soba bei Mamezen Soba
Der Soba-Laden, den Johanna mir empfohlen hat, war super! Ich habe dort mittags Sojamilch-Soba mit Tofuhaut und Chlorella gegessen, die ganz frisch für mich zubereitet wurden. Es war einer der regnerischen Tage in Kyoto, da hat die heiße würzige Suppe, die durch das Chlorella  intensive grün leuchtete, richtig gut getan.

Der Laden ist nicht einfach zu finden, auch hier bin ich mehrmals vorbeigelaufen, bis ich schließlich fündig wurde. Er liegt in einer kleinen Seitenstraße. Um hineinzukommen, muss man einen schmalen Gang entlanggehen.

Fushimi Inari-taisha
Zu allerletzt noch eine Sehenswürdigkeit, für die ich mir viel mehr Zeit nehmen würde, falls ich noch mal nach Kyoto kommen sollte. Fushimi Inari-taisha ist einer der ältesten und bekanntesten Shintō-Schreine in Kyoto. Durch die im Wald gelegenen Alleen von tausenden scharlachroten Torii (Tore) zu spazieren, war ein ganz besonderes Erlebnis. Wenn man nicht hetzten will, sollte man auf jeden Fall einen halben Tag dafür einplanen. Nach der kleinen Wanderung auf den Hügel hat man sich dann auch das Streetfood verdient, dass in der Nähe der Bahnstation verkauft wird. Ich habe hier mein erstes Tailyaki gegessen: Eine frisch gebackene süße Waffel in Fischform mit Azuki (roter Bohnenpaste) und Sahne gefüllt. Bombe!

So, ihr Lieben! Wir sehen uns dann wieder in Berlin bei ner deftigen deutschen Brotzeit! Habt noch eine gute Reise durch Japan!

Eure Ariane

Kulinarische Reisepost aus Japan

Kommentare

  1. Maria Potthoff - 30. April 2016 um 11:53

    Danke für die tolle Momentaufnahme :-) War noch nie im asiatischen Raum, finde aber die Kultur, insbesondere auch die Essgewohnheiten sehr interessant :-) Muss eine absolut fantastische Zeit gewesen sein! Liebe Grüße aus Meran :-)

  2. Ariane - 1. Mai 2016 um 02:04

    Liebe Maria,
    freut mich zu lesen, dass mein Post dir Lust auf Asien macht. Japan ist für den Asien-Einstieg ein sehr angenehmes Reiseland, gerade wenn man als Frau alleine unterwegs ist. Es unterscheidet sich sehr von den anderen asiatischen Ländern, die ich bisher besucht habe.
    Meine Zeit hier ist noch nicht vorbei – es ist noch immer fantastisch!!!

    Liebe Grüße ins schöne Meran
    Ariane

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Im Oktober 2013 ist mein Buch »Foodblogs und ihre besten Rezepte« im Hädecke Verlag erschienen.



Gourmand World Cookbook Award Winner 2014 for Germany. Category »Blog«.



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Mizzis Küchenblock | Der Genussblog von Hädecke