Kulinarische Momentaufnahmen
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Sonntag, 2. August 2015 - von Ariane

Mit dem Bus … über die portugiesische Vulkaninsel Madeira: Funchal und Ponta de São Lourenço

In den vergangenen Monaten wurde es immer stiller hier im Blog. Mein Schweigen bedeutet aber meistens, dass es in meinem Leben umso bunter und quirliger zugeht. So gesehen ist es ein gutes Zeichen. Trotzdem plagt mich ein leises schlechtes Gewissen, dass ich all die Ereignisse nicht in Worte fassen kann, weil die Zeit einfach zu knapp ist. Ich gebe mein Bestes euch in der nächsten Zeit, nicht mehr so lange auf die Folter zu spannen. Versprochen! Zwischendurch könnt ihr ja einfach mal bei Facebook oder Instagram vorbeischauen.

Was habe ich also in den letzten Monaten erlebt?

Im April, Mai und Juni bin ich für Travel on Toast nach Sizilien, Costa Rica und via InterRail durch Südeuropa gereist. (Meine Artikel bei Travel on Toast könnt ihr hier lesen). Es war eine kunterbunte, trubelige und intensive Zeit.

Zwischen all der Rastlosigkeit habe ich mir dann noch einen großen Wunsch erfüllt: Im Mai bin ich den Sommer über nach Lissabon gezogen. Was genau mich dazu bewegt hat und was ich erlebt habe, werde ich in den kommenden Posts erzählen. Jetzt drehen wir die Zeit erst mal um 1 Jahr zurück.

Es ist nämlich fast genau 1 Jahr her, dass ich mit meiner Freundin Luisa auf die portugiesische Vulkaninsel Madeira gereist bin. Ich war damals zum ersten Mal in Portugal. Auf dieser Reise wurde meine Liebe für den westlichsten Punkt Kontinentaleuropas entfacht.

Mit dem Bus … über die portugiesische Vulkaninsel Madeira

Stellt deuch mein Leben wie einen Woody Allen Film vor. Mit all seinen witzigen, skurrilen, glücklichen, dramatischen und tragischen Momenten. Das mag nach Abenteuer klingen, ich gucks mir aber lieber popcornknabbernd im Kino an. Im Publikum, nicht als Hauptdarstellerin. Und gerade wenn du denkst, dass dein Humor nicht ausreicht um die Bewegung in deinem Leben zu ertragen, schreibt dir eine gute Freundin eine SMS: „Lust nächste Woche mit mir nach Madeira zu reisen?“

Klare Antwort: „Ja!“ Eine Insel, auch wenn sie nicht einsam ist, kommt wie gerufen. Sieben Tage Auszeit, auf der portugiesischen Vulkaninsel Madeira. Umgeben von duftenden Blüten in allen Farben und Größen, felsiger Küste und majestätischen Bergketten mitten im Atlantik.

„Woody, du darfst zu Hause bleiben. Ich nehm´ das Drehbuch jetzt selbst in die Hand.“

Spontan. Ungeplant. Erwartungslos. So liebe ich das Reisen. Weil man so offen ist und in den Tag hineinleben kann. Und genau danach sehne ich mich gerade.

Mein Rucksack ist schnell gepackt. Für 7 Tage reicht Handgepäck. Wozu soviel Ballast mitschleppen?

Und dann geht’s los: Mit dem Zug von Berlin nach Leipzig, 4 Stunden über den Wolken und schon landen wir auf der schnuckeligen Landebahn am Flughafen der Hauptstadt Funchal. Links das türkisfarbene Meer, rechts die saftig grünen Berge.

Wir steigen in den Bus, der uns ins Zentrum von Funchal fährt. Und so haben wir es auf der kompletten Reise vor: Wir mieten uns kein Auto, sondern verlassen uns auf das öffentliche Bussysthem Madeiras oder reisen gelegentlich per Anhalter.

Funchal: Jardim Botanico und Mercado dos Lavradores

Zur Einstimmung gibt’s an der nächsten Straßenecke natürlich das berühmt berüchtigte Nationalgebäck: Pastéis de Nata. Blätterteig mit zuckersüßer Puddingcreme gefüllt und Zimt bestreut. Himmlisch! Wir sind angekommen!

Petit Fours Patisserie: Estrada Monumental 188, Funchal, Madeira, Portugal

Nach der süßen Versuchung haben wir genug Energie um den Jardim Botanico zu erkunden. In dem hochgelegenen Botanischen Garten erwarten uns Papageienblumen, Orchideen, Magnolien, Kakteen, Strelitzien, Palmen Kakteen, Mango, Papaya, Kaffeebäume, Zuckerrohr und ein prächtiger Ausblick: Vor uns erstreckt sich Funchal, dass sich dem Ozean wie ein Amphitheater öffnet.

Jardim Botanico: Caminho do Meio, Bom Sucesso, 9064-512 Santa Maria Maior, Funchal

Frische Luft und Bewegung machen hungrig. Zeit für Bolo do Caco, ein aus Süßkartoffeln frisch gebackenes Fladenbrot, dass überall in der Stadt an kleinen Ständen verkauft wird. Je nach Geschmack wird die madeirische Spezialität mit Knoblauchbutter oder Chorizo zubereitet. Street Food at its best!

Exotischer Nachtisch in Form von Früchten jeglicher Art gibt´s gleich um die Ecke auf dem Bauernmarkt Mercado dos Lavradores. Die kleine Markthalle im Art déco Stil erstreckt sich auf drei Etagen und lässt jedes Foodie-Herz höher schlagen. Im Eingangsbereich durchquert man ein duftendes Blumenmeer, bis man in der Mitte des offenen Gebäudes auf den Obst- und Gemüsemarkt stößt. An den Ständen türmen sich exotische Früchte wie Ananasbananen, Maracujas, Baumtomaten oder Mangos. Dahinter führt eine kleine Treppe hinab, die direkt zur Fischhalle führt. Ich muss mich zusammenreißen, um nicht mit gefüllten Einkaufskörben zurück zum Hotel zu gehen.

Mercado dos Lavradores: 12 Rua Do Visconde De Anadia, Funchal, Madeira, Portugal

Rundwanderung auf der Halbinsel Ponta de São Lourenço

Madeira ist nicht nur für seine prachtvollen Blumen und exotischen Früchte, sondern auch für seine majestätischen Berge bekannt. Deswegen schnüren wir heute unsere Wanderstiefel und steigen in den Bus Richtung Osten. Es geht von Funchal über Machico und Canical bis nach Ponta de São Lourenço. Am östlichsten Zipfel Madeiras angekommen, erstrecken sich kilometerlange karge Felsketten vor uns. Regenwald, Weinberge und Bananenplantagen haben wir hinter uns gelassen. An diesem Ort zeigt die Insel ein ganz andere Seite.

Gleißende Hitze, kein Baum weit und breit. Es geht steil auf- und ab, wir durchwandern eine bizarre Berglandschaft. Links und rechts frisst sich der Atlantik in tiefe Felsschluchten. Wir genießen die erfrischende Meeresbriese und freuen uns über jeden Aussichtspunkt, an dem wir innehalten können, bis wir den Pico do Furado und damit unser Ziel erklommen haben. Noch schnell eine kleine Abkühlung im Meer als Belohnung in einer kleinen Bucht und dann brechen wir zu unserem Rückweg auf. Das Eis am Stiel am Ende unserer schweißtreibenden Wanderung ist verdient – aber so was von!

Am Abend schwenken wir erschöpft und zufrieden unsere Portweingläser auf unseren Spontanurlaub, während wir in einer kleinen Bar auf unseren Espada preta (der schwarze Degenfisch aus der Tiefsee ist eine madeirische Spezialität) mit Banane warten. Sobremesa (Nachtisch)? Bolo do Coco! Noch ein saftiger Kokoskuchen zum Abschluss und dann fallen wir zufrieden in unsere weichen Betten.

Mit dem Bus …

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Im Oktober 2013 ist mein Buch »Foodblogs und ihre besten Rezepte« im Hädecke Verlag erschienen.



Gourmand World Cookbook Award Winner 2014 for Germany. Category »Blog«.



48 kulinarische Erzählungen und Rezepte von 12 deutschsprachigen Foodblogger/innen. Nachgekocht, fotografiert und genussvoll verzehrt von Ariane Bille. Konzipiert und kreiert als Buch, App und Blog.


Vice Content Network

»Das Buch bringt viele Perspektiven zusammen und kommt so der kulinarischen Bewegung im Web erstaunlich nahe – ihren Protagonisten und Motiven, der Kochlust samt Rezepten.« Valentinas-Kochbuch



Mizzis Küchenblock | Der Genussblog von Hädecke