Kulinarische Momentaufnahmen
Schweinerippchen
Dienstag, 25. Mai 2010 - von Ariane

Polenta und Singvögel – Anonyme Köche

Das Robert von Lamiacucina versehentlich die Rezepte aus verschiedenen Monaten gewählt hat, ist mir erst gestern beim Layouten des Buchs aufgefallen.

Das kann ich mir nur so erklären: Ich war zu beeindruckt von den Gerichten der Anonymen Köche. Wahrscheinlich war es gar kein Versehen sondern Absicht, denn Robert hat mit seiner Auswahl voll ins Schwarze getroffen. Sie spiegelt vollkommen den Gedanken der Anonymen Köche wieder: Less is More!

Nun ist die Juli-Auswahl leider doch eine Januar/Februar-Auswahl geworden. Das macht in meinen Augen aber gar nichts, die Rezepte passen trotzdem wunderbar in den Juli! (Und Fehler gehören auch irgendwie dazu…)

Ich will euch aber nicht weiter auf die Folter spannen: Auf dem heutigen Menüplan steht Claudios Polenta mit Schweinerippchen (Costine di Maiale con Polenta) - Polenta und Singvögel. (Claudios Geschichte ist ein absolutes Lese-Muss!)

In meiner Familie gab es auch einen Singvogel. Mein Opa aus Nürnberg war Opernsänger, leider habe ich ihn nie auf der Bühne singen sehen. (Hier auf dem Bild der zweite von links). Familie Bille pflegt nicht viele Regeln und Rituale zu Tisch, aber eine Tradition ist ganz wichtig: Bei Festessen spielen wir die Caruso-CD meiner Oma rauf und runter- bis alle satt und glücklich sind. Für Pavarotti war meine Oma nicht zu haben, sie war schließlich Caruso und meinem Großvater verfallen…

Nach dem Prinzip der von Claudio kreierten Wortschöpfung “High-Fidelity-Food”, kommt das Rezept mit wenigen Zutaten von bester Qualität aus: Vier Bio-Schweinerippchen (für 4 Personen), Zwiebel, Olivenöl, Knollensellerie, passierte Tomaten und Salz und Pfeffer.

Bevor die Schweinerippchen im Tomatensugo vor sich hin köcheln, werden sie 20 bis 30 Minuten bei 200 Grad im Backofen gegrillt und alle fünf Minuten gewendet. Unglaublich wie viel fett aus den kleinen Rippchen tropft!

Nach Claudios Art wird die in Salz gekochte Polenta vor dem Servieren auf einen Teller gestrichen. Darüber kommt noch mal eine Schicht Tomatensugo und zu guter Letzt das I-Tüpfelchen in Form einer Schweinerippe. Noch schnell den Parmesan drüber gerieben, Caruso in den CD-Player und los gehts mit dem Genuss!

Polenta erinnert mich immer an meine Kindheit. Warum kann ich gar nicht so genau sagen. Ich vermute es lag an den riesigen Vorräten, die mein Onkel früher oft aus der Schweiz mitbrachte.

Mama-Bille bevorzugt bei der Polenta nicht die Streich-, sondern die Quell-Methode. Die Polenta wird ein paar Stunden vorher gekocht, in eine eckige Form zum Quellen gefüllt und dann in geschnittenen Scheiben in Olivenöl gebraten.

Beide Varianten sind köstlich, aber die gebratene Polenta esse ich noch lieber. Mama ist eben immer die Beste!

Claudios Rezept kann ich wärmstens empfehlen, gerade weil der Sommer immer noch auf sich warten lässt… Zum Rezept gehts hier.

Mein fränkischer Opernsänger-Opa soll einst übrigens vorzügliche Schweinerippchen gekocht haben…

Fotos und Text: Ariane Bille

Kommentare

  1. ralf - 26. Mai 2010 um 00:04

    beim O-Opa gab’s Jugo-Tomatenreis zu den Rippchen , und die Rippchen waren kleiner, wahrscheinlich 60-Jahre Schweinchen

  2. Ariane - 26. Mai 2010 um 10:27

    dann wünsch ich mir genau das, von dir gekocht, nach meiner diplompräsentation!

  3. Eline - 26. Mai 2010 um 10:44

    Das ist ein perfektes Rezept für eine südliche Ferienhausküche. Ich bin für gestrichene Polenta. Und ich kann auch die passende Musik dazu spielen – habe und liebe alle re-mastered Caruso-CDs. Als Opernfan hätte ich auch gerne einen Opern-Opa gehabt, ich brachte es nur zu einer Revuegirl-Urgrossoma!

  4. Ariane - 26. Mai 2010 um 10:49

    Eine Revuegirl-Urgrossoma ist auch klasse! Leider habe ich meinen Opa nicht mehr kennengelernt. Dafür hat mir mein anderer Opa als Kind aber immer einen Opern-Besuch zum Geburtstag geschenkt!

  5. lamiacucina - 26. Mai 2010 um 16:16

    das war ein beabsichtigter Irrtum :-)

  6. Eline - 26. Mai 2010 um 16:21

    tz, tz, Robert – das ist aber sehr undiszipliniert von dir. Stell dir vor, das hätten wir alle gemacht, die Arme Ariane!
    ;-)

  7. Lilli - 26. Mai 2010 um 22:53

    boah, der Geschmack von den high-fidelity- Rippchen war soooo puristisch einfach gut, dazu hätte ich auch Rudolf Schock ertragen…. Wiederholen wir das auf meinem heißgeliebten, abgegammelten Holzkohle- Grillfaß im rheinischen Gärtchen in Ermangelung des südlichen Landhauses? …all diese schönen Rezepte und Kommentare sind derart inspirierend und phantasiebeflügelnd, fast wie ein kleiner Urlaub…

  8. Ariane - 27. Mai 2010 um 06:32

    Robert und Eline: Wusste ichs doch :-) !

  9. Ariane - 27. Mai 2010 um 06:33

    Lilli: das wird unbedingt wiederholt!

  10. Arthurs Tochter - 27. Mai 2010 um 17:04

    Ich hatte wenigsten eine singenden Mama, die ihre Gesangsausbildung als junge Frau nicht beenden durfte, weil ihr Vater meinte, sie würde doch nur ein Chormädchen werden und solle lieber etwas Anständiges lernen.
    Gekocht hat sie dann Jahre später auch ganz großartig!

    Und was der Robert kann – wenn Eline und ich das gewußt hätten, gell?! ;)

  11. Ariane - 28. Mai 2010 um 08:21

    vielleicht gibts ja noch mal ne zweite runde, in der jeder foodblogautor seine eigenen rezepte aussucht…

  12. Claus - 28. Mai 2010 um 11:43

    Das hätte ich niemalsnicht von Robert gedacht! Hoffentlich fällt Ariane jetzt nicht wegen Pfuscherei bei der Diplomarbeit durch…

  13. Berliner Food Piraten - 18. März 2011 um 18:41

    Da läuft mir ja das Wasser im Mund zusammen

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