Kulinarische Momentaufnahmen
Wednesday, 14. October 2015 - von Konni

Porto: Ein Bummel durch das historische Stadtzentrum Portos

[Gastbeitrag von Konni] Jahrelang habe ich davon geträumt eine Reise nach Portugal zu machen. Im Juni 2015 habe ich mir meinen Traum erfüllt und bin mit der Familie von Porto nach Lissabon gereist. In meiner Forstetzung von Porto: Unbekannte Schöne im Norden Portugals erzähle ich von meinem Stadtbummel durch das historische Stadtzentrum Portos.

Eigentlich bin ich noch gar nicht ausgeschlafen, aber zu neugierig um liegenzubleiben. Die Möwen höre ich schon die ganze Zeit und hinter den abgebeizten Fensterläden wartet ein strahlend blauer Himmel.

Wir frühstücken in einem kleinen Café, das von einem jungen, sympathischen Pärchen geführt wird, unsere ersten Pasteis de Nata, wunderbare homemade Sandwiches, Galão (Milchkaffee) und Sumo de Laranja (frisch gepresster Orangensaft), den ich sofort liebe und an jeder Ecke trinken werde. Wir machen einen kleinen Rundgang durch unser Viertel Bonfim und mein Herz geht auf. Es hat etwas rührend Liebenswertes, Abgenutztes, Geschäftiges, unzählige winzige Läden, Talhos (hier gibt es noch richtige Fleischläden), Cabeleieiros (Friseurläden wie aus dem letzten Jahrhundert), Frutarias (Früchteläden), Restaurants, hier und da wird gegen den Verfall anrestauriert, repariert, gestrichen. Ich fühle mich in eine längst vergangene Zeit zurückversetzt. In’s Ruhrgebiet der 80er Jahre zu Beginn meines Studiums oder ins damalige, sozialistische Ost-Berlin.

Die verlassenen, zum großen Teil baufälligen Gebäude machen mich traurig. Hier fehlt das Geld, um all die alten Schätze zu bewahren und viele jungen Menschen verlassen ihr Land, um woanders ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

Unser erstes Ziel ist der Mercado do Bolhão, der größte und schönste Lebensmittelmarkt für Fisch, Fleisch, Gemüse und Blumen in einer neoklassizistischen 2-stöckigen Halle von 1850, mittendrin einige kleine Restaurants. Obwohl unglaublich verlockend, verkneifen wir uns hier einen Imbiss, denn wir wissen, dass hier am nächsten Tag unsere Porto Food Tour starten wird. Wir lassen uns weiter treiben und entdecken, langsam verschwindet die Kühle und es wird allmählich ganz schön heiß. Wir sind durstig und wollen in einer ruhigen, sonnigen Gasse neben einer Kirche in einer kleinen, einfachen Bar eigentlich nur etwas trinken.

Ein Tisch und 2 Stühle auf dem Gehweg sehen so einladend aus und nach zwei Cervejas (Bier) ist uns nach Petiscos, das sind portugiesische Tapas. Ich gehe rein und frage nach Boquerones (sauer eingelegte kleine Sardinen, aber eher eine spanische Spezialität), die ich so liebe. Aber ich spreche kein Portugiesisch und Englisch verstehen die Wirtsleute nicht, also babbele ich auf meinem bisschen Spanisch was von Pescados und Patatas Fritas und es wird eifrig genickt. Ich sehe die Wirtin mit einer neuen Pulle Öl und einem Beutel Sardinen ankommen, noch eine Teflonpfanne unterm Arm. Aus der Nummer komm´ ich jetzt nicht mehr raus. Ich setze mich wieder an den schiefen Tisch in der Sonne und erkläre Herrn R. meine verwegene Bestellung.

Der Wirt kommt mit einer Papiertischdecke, ich bestelle noch einen halben Liter Weißwein und einen gemischten Salat für zwei. Wir genießen unser irdisches Dasein. Es kommt eine Platte mit 8 großen, gebratenen Sardinhas (Sardinen) und zwar keinen handgeschnitzten frittierten Patatas, wie ich gehofft hatte, aber sehr schmackhaften Pommes Frites. Grüner Salat mit Tomaten, Zwiebeln, Essig-Öl, etwas Brot. Der einfache, gut gekühlte Weißwein kommt aus der Gegend und mundet bestens. Wir bestellen nach. Ein Grüppchen müder Touristen zieht vorbei, einer guckt verlänglich auf unsere kleine Oase des Mittagsglücks.

Lanchinho da Vitoria
48 Rua de Sao Bento da Vitoria (direkt an der Mosteiro S. Bento)

Direkt um die Ecke vor der Kirche ist ein Miradouro (Aussichtspunkt). Hier entfaltet die Stadt für uns zum ersten Mal ein großartiges Panorama. Dicht an dicht klettern die Häuser den Hang hinauf, rote Ziegeldächer und granitgraue Barockkirchen. Der Douro, die Brücke Dom Luis I, die Kathedrale Sé

Kreuz und quer laufen wir, am Ende nochmal über die oberste Ebene der Brücke nach Vila Nova de Gaia. Hier an den Cais am Flussufer liegen die alten, lang gestreckten Lagerhäuser der Portwein-Barone: Sandeman, Cálem, Taylors, Offley, Burmester … und locken mit eigenen Museen, Führungen, Degustationen und Direktverkauf. Hier liegen auch die Barcos Rabelos, zu Ausflugsbooten umfunktionierte Segelschiffe, die früher die Portweinfässer transportierten. Im Liegestuhl kann man (mit einem Port auf dem Seitentischchen) am Flussufer den Tag ausklingen lassen und sich in die Abendsonne träumen …

Es geht weiter! Im dritten und letzten Teil meines Porto-Artikels koste ich mit Taste of Porto Foodtours, bei einem kulinarischen Spaziergang, die typisch regionale Küche Portos.

Andere Gastbeitäge von Konni

Im Oktober 2013 ist mein Buch »Foodblogs und ihre besten Rezepte« im Hädecke Verlag erschienen.



Gourmand World Cookbook Award Winner 2014 for Germany. Category »Blog«.



48 kulinarische Erzählungen und Rezepte von 12 deutschsprachigen Foodblogger/innen. Nachgekocht, fotografiert und genussvoll verzehrt von Ariane Bille. Konzipiert und kreiert als Buch, App und Blog.


Vice Content Network

»Das Buch bringt viele Perspektiven zusammen und kommt so der kulinarischen Bewegung im Web erstaunlich nahe – ihren Protagonisten und Motiven, der Kochlust samt Rezepten.« Valentinas-Kochbuch



Mizzis Küchenblock | Der Genussblog von Hädecke