Kulinarische Momentaufnahmen
Robert Sprenger-Lamiacucina
Donnerstag, 10. Juni 2010 - von Ariane

Robert Sprenger

Update Mai 2013: Alle Interviews, die hier im Blog zu lesen sind, habe ich für das erscheinende Buch in der Caramelized-App (Juni 2013) und im Hädecke Verlag (Herbst 2013) komplett überarbeitet und ergänzt. Hier im Blog sind sie noch in der alten Version zu lesen.

Innerhalb von drei Jahren wurde Lamiacucina zu einem der beliebtesten deutschprachigen Foodblogs.

Seit einiger Zeit bin auch ich (stummer) Leser des Blogs und bewundere die Hingabe, Zuverlässigkeit und Arbeit, die Robert Sprenger in seine fast täglichen Rezeptbeiträge steckt. Im Interview hatte ich die Gelegenheit näher nachzufragen:

Ariane: Robert, du bist pensionierter Chemiker und hattest beruflich mit dem Kochen bzw. Essen nie etwas zu tun. Wie kommt es dann, dass Du Dich seit Deiner Pensionierung vor sieben Jahren so intensiv mit dem Thema beschäftigst? Oder warst Du schon vorher ein so leidenschaftlicher Koch am heimischen Herd?

Robert: Ich habe nur selten gekocht, mir aber immer gerne Schuhbeck & Co. angesehen. Nach der Pensionierung habe ich angefangen, Kochkurse zu besuchen, das tue ich heute noch mit Hingabe und Begeisterung. Die Verpflichtungen, die mit beinahe täglichen Beiträgen einhergehen, geben mir zudem eine Tagesstruktur, verzögern den Alterungsprozess, übertünchen vordergründig die fortschreitende Vereinsamung im Alter.

Ariane: Was fasziniert Dich an Foodblogs und wie bist Du auf dieses Weblog-Genre aufmerksam geworden?

Robert: 2006 habe ich eine Internetseite mit rund 30 Rezepten selbst programmiert. Bei Rezeptrecherchen bin ich immer häufiger auf das damals für mich unbekannte Medium der Blogs gestossen. Ende Januar 2007 habe ich meinen eigenen Blog mit täglichen Beiträgen gestartet. Der Einstieg war zu Beginn leicht, konnte ich doch auf elektronisch gespeicherte Rezepte zurückgreifen. Nach einem Monat bin ich dann erwacht, musste mich neu organisieren, ein Konzept zurechtlegen.

Ariane: Lamiacucina existiert erst seit 2007, ist aber schon nach kurzer Zeit zu den bekanntesten und beliebtesten Blogs der Food-Blogosphäre geworden. Wie erklärst Du Dir Deinen Erfolg?

Robert: Der Erfolg ist hart erarbeitet, vielleicht liegt es an der Regelmässigkeit der Beiträge, daran, dass ich alle Kommentare (die mir nicht entwischen) beantworte, der Absenz von Werbung, einem nicht allzu abgehobenen Kochstil, netten Fotos, dass ich Spass an der Sache habe, die Welt nicht belehren möchte, sowie die Anhäufung von Rezepten nicht todernst und verbissen betreibe.

Ariane: Du zählst zu den sehr engagierten und zuverlässigen Bloggern. Warum hast Du Dir die fast täglichen Posts auferlegt und wo findest Du Inspiration für neue Beiträge?

Robert: Wenn ich nur wüsste, warum ich täglich blogge! Wer kreativ ist, dem fliegen immer Ideen zu. Und wenn der Nachschub stottert, hole ich ihn mir aus dem Internet, aus Büchern, Kochzeitschriften oder aus Rezeptkarten meiner Frau.

Ariane: Welche Foodblogs verfolgst Du besonders gerne und unter welchen Aspekten bewertest Du die Qualität der Beiträge? Wie siehst Du einem Rezept an, ob es das richtige für Dich ist?

Robert: Unter meinen Lieblingsblogs befinden sich u.a. alle, die hier Gegenstand deines Buches sind. Ich muss zugeben, ein gelungenes Foto springt mich eher an, als ein farbverfälschtes, lieblos angerichtetes Bild. Dann müssen mir die Zutaten schmecken, letztlich muss das Rezept in sich stimmig und darf nicht mit Aromen überladen sein. Um so etwas zu sehen, entwickelt man rasch Routine.

Ariane: Lamiacucina, der Name Deines Blogs, verrät Deine Zuneigung zur mediterranen Küche. Wie und warum bist Du ihr verfallen?

Robert: In jungen Jahren haben wir uns öfters ferienhalber in Rom oder Italien aufgehalten. Das war die Zündung. Mich sprechen an der mediterranen Küche ihre Einfachheit, die Ehrlichkeit, die Qualität der verwendeten Produkte an.

Ariane: Auch die Molekulargastronomie gehört zu Deinen kulinarischen Interessen. Welche Position vertrittst Du diesbezüglich, gerade in Hinsicht auf Deinen beruflichen Background als Chemie-Ingenieur?

Robert: Ich sehe gerne hinter die Kulissen, um zu erfahren, wie etwas gemacht wird. Halt das Kind im Manne. Die Arbeiten und Entwicklungen der Molekularküche haben für die Nahrungsmittelindustrie grosse Bedeutung und sind keine Modeerscheinungen. Für den durchschnittlichen Hobbykoch und die häusliche Küche sind diese Techniken und Zutaten aber nicht relevant. Bastelkästen wie „der kleine Molekularchemiker“ und Molekularmenüs im Landgasthof mögen lustig sein, werden aber über kurz oder lang wieder andern Trends weichen. Kochen und essen soll das wer will. Es gibt für mich noch so viele gute Gerichte und Zubereitungen kennenzulernen, dass ich keine Kochzeit darin investieren möchte.

Ariane: Ein anderes wichtiges Merkmal Deines Blogs sind die immer mit sehr viel Ästhetik und Liebe fotografierten Speisen. Wie viel Deiner Zeit widmest Du Lamiacucina im Schnitt und welcher Teil macht die meiste Arbeit? Die Suche nach dem richtigen Rezept, das Kochen, das Fotografieren oder das Schreiben der Beiträge?

Robert: Suchen muss ich Rezepte selten, ich stolpere dauernd über sie, habe immer einen Vorrat von über 100 Rezepten an Lager, die vorgedacht, aber noch nicht realisiert sind. Mit Abstand am meisten Zeit verwende ich immer noch auf das Kochen. Das Fotografieren geht mittlerweile fix, ich gebe mir allerdings im allgemeinen auch keine Mühe, aufwendige Bildkompositionen mit Tischsets, Dekomaterial, wie das die Profis tun, zu kreieren. Mehr Zeit braucht die Auswahl der Bilder, der Bildausschnitte, der Farbkorrekturen…. Wenn das fertig ist, kommt das Schreiben, damit tu ich mich schwer. Insgesamt setze ich für den Blog ein Drittel bis die Hälfte meiner wachen Zeit ein. Verrückt !

Ariane: Was für eine Ausrüstung besitzt Du um Deine Fotos zu schießen? Ist es immer noch ausschließlich die Kompaktkamera, oder besitzt Du mittlerweile mehr Equipment?

Robert: Seit mehr als einem Jahr besitze ich eine Sony A-700 und im Bedarfsfall ein Stativ. Beleuchtung ist die normale Küchenbeleuchtung oder Sonnenlicht auf dem Fensterbrett.

Ariane: Wer ist bei Familie Sprenger der Küchenchef? Kochst Du mit Frau L. zusammen, oder seid ihr euch dabei eher im Weg?

Robert: Wir führen meist getrennte Küche. Frau L. kocht am liebsten ihre traditionellen Gerichte, die sie schon immer gekocht hat und die ich teilweise schon verbloggt habe. Ich koche Neues für den Nachschub im Blog, mache den Abwasch, kaufe ein und helfe meiner Frau bei Arbeiten, die sie nicht mehr alleine bewältigen kann. Sie hilft mir dafür bei der Ravioliproduktion.

Ariane: Wenn Du spontan Claudio von den Anonymen Köchen besuchen würdest, was würdet ihr zusammen kochen? Schweizer oder italienische Küche? Wie stellst Du Dir den Besuch vor?

Robert: Das entscheidet der Gastgeber. Wenn ich etwas kochen soll, dann nichts kompliziertes. Ich will und muss niemanden beeindrucken. Etwas einfaches, aber gutes. Mit einer guten Flasche Wein zusammen genügt das für einen netten Abend.

Ariane: Robert, lieben Dank für das Interview!

Kommentare

  1. Mestolo - 22. April 2010 um 20:21

    Robert ist auch mein “Lieblingsblogger”. :) Mit seiner freundlichen, netten und humorvollen Art, den tollen Texten und Rezepten und nicht zuletzt den schönen Fotos im Blog ist sein Blog zu lesen immer mein morgendlichen Highlight.

  2. Marqueee - 22. April 2010 um 20:56

    Robert war das erste Blog, dass bei mir verlinkt war – und das erste, das mich verlinkt hat. Dafür bin ich ihm bis heute dankbar. Aber noch viel dankbarer bin ich ihm dafür, dass ich – weil ich in seinen Rezepten regelmässig darüber gestolpert bin und es mir dann im nächsten Frankreichurlaub besorgt habe – Piment d’Espelettes kennenlernen durfte.

  3. Ariane - 22. April 2010 um 21:12

    Ich habe mich auch sehr gefreut, dass Robert bei meinem Projekt mitmacht. Wegen seiner aufgeschlossenen und hilfsbereiten Art, die man oft in seinen Kommentaren lesen kann, war ich mir fast sicher das er zusagt. Und er hat mich nicht enttäuscht ;-)

  4. Ariane - 22. April 2010 um 21:16

    Marquee: Piment d’Espelettes findet man in meinen Gewürzschränkchen leider nicht, aber beim nächsten Frankreichurlaub wird´s eingekauft und getestet.

  5. mein Ideentopf - 22. April 2010 um 22:10

    Robert von lamiacucina ist einfach bemerkenswert und ein Superkoch. Ich schaue fast täglich auf seine Seite – super Fotos, tolle Rezepte und Erklärungen.
    Komplimente auch für deine Seite und viel Erfolg bei deiner Projektarbeit.

  6. Claus - 23. April 2010 um 08:47

    Lamiacucina – ein Blog, präzise wie´n Schweizer Uhrwerk! Den Robert würde ich gerne mal persönlich kennenlernen, ich glaub´, das ist ein Pfundskerl.

  7. Basler Dybli - 23. April 2010 um 13:16

    Durch eine Rezeptsuche bin ich vor bald eineinhalb Jahren auf den Blog von Robert gestossen. Seither geniesse ich praktisch täglich seine mit Witz, Professionalität und tollen Bildern gestalteten Rezepte und übrigen Beiträge (und ebenso die Kommentare seiner Leser/innen). Das Glück will es, dass wir beide am Rheinknie wohnen und ich Robert persönlich kennen lernen durfte. Seine charmante und grundehrliche Art hat Vorbildcharakter und ist Garant für den verdienten Erfolg!
    Ich wünsche ihm und seinem Blog (selbst wenn irgendwann mal in gedrosselter Form) weiterhin den faszinierenden und bunten Mix an Ideen und deren Umsetzung, bzw. viel Erfolg!

  8. Jutta Lorbeerkrone - 24. April 2010 um 00:11

    Ich blogge seit 2 Monaten, was nicht eine lange Zeit ist – aber wenn es mir von Anfang an Spass macht ist es dank Robert von La mia cucina zu verdanken. Ganz schuechtern habe ich meinen ersten Kommentar auf seinem Blog hinterlassen (schliesslich ist es Spitzenkueche die er da hinlegt) ,seine waren die ersten Besuche auf meinem Blog und er hat liebenswuerdigerweise auch “die Werbetrommel” fuer mich gereuhrt, was mir Mut macht fuer dieser Erfahrung! Ich schaue jeden Tag (mehrmals) bei ihm vorbei wegen den Kuechentraeumen und seinen humorvollen Kommentaren. Danke Maestro!

  9. Bolliskitchen - 26. April 2010 um 07:09

    Piment d’Espelette, das muss jetzt mal gesagt werden, habe ich Robert aus Frankreich zu damals Anfangszeiten seines Blogs geschickt, aber da hatte er noch nicht die Leser, die dort oben alle kommentieren…..und kannte es auch nicht. Ich ziehe mir also den Schuh an, Espelette in der dt. Bloggerszene verbreitet zu haben!

  10. Marqueee - 26. April 2010 um 10:27

    @Bolliskitchen Ehre, wem Ehre gebürt. Auch wenn nur mittelbar, so werde ich bei zukünftigen Bemerkungen zu PdE auch Dir äußerst dankbar sein.

  11. Arthurs Tochter - 27. April 2010 um 17:15

    Würde mich gar nicht wundern, wenn Bolli die ganze Bloggerei auch erfunden hätte. ;)

  12. entegut - 14. Mai 2010 um 23:09

    @A.Tochter: :-D

    Macht echt Spaß hier zu lesen.

  13. Bolliskitchen - 19. Mai 2010 um 17:44

    @AT: Bloggerei erfunden? INTERNET!! Was denn sonst.
    @Marquee: musst Du auch nicht mittelbar

    Nicht wahr Robert???!!!!!!!!!!!

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