Kulinarische Momentaufnahmen
Wednesday, 16. July 2014 - von Konni

Süß-sauer schmeckt der Sommer – Sauerkirschmarmelade mit Rum und Pfeffer

[Ariane] Lange war es still hier im Blog: Viel schöne Arbeit, Reisen und Umzüge haben mich in den letzten Monaten vom Schreiben abgehalten. Zum Glück habe ich eine Mama, die nicht nur die weltbeste Sauerkirschmarmelade kocht, sondern auch noch unheimlich schön schreibt und fotografiert, wie ich finde! Aber lest selbst – hier folgt ihr dritter Gastbeitrag:

[Konni] Immer wenn der Sommer am schönsten ist, werden die Sauerkirschen im 60er Jahre Reihenhausgarten meiner Eltern reif. So betagt wie die beiden mittlerweile sind, ist es auch das Bäumchen. Aber es trägt immer noch treu und zuverlässig die leuchtend, hellroten, saftigen und wunderbar sauren Früchte. Dann ist Erntehilfe angesagt: mit Leiter und Eimer bewaffnet wird gepflückt, meist noch im Garten werden die Früchte gewaschen, entsteint und entweder portionsweise eingefroren oder sofort zu Marmelade verarbeitet.

Oma’s Sauerkirschmarmelade ist Kult in unserer Familie, das Aroma unerreicht. Oma kocht die Marmelade klassisch mit handelsüblichem Gelierzucker 1:1. Auf dunklem Bauernbrot oder frischem Brötchen – göttlich! Wem der Gelierzucker nicht behagt, kann normalen Zucker mit Agar-Agar nehmen – geht auch. Ich habe mal eine neue Variante probiert, die es in sich hat: Sauerkirsch mit weißem Rum und schwarzem Pfeffer. Grob gemahlenen schwarzen Pfeffer aus der Mühle (10 Umdrehungen) und einen guten Schuß Bacardi oder Pitu erst am Ende der Kochzeit zugeben und sofort heiß in Twist-off Gläser füllen, für 2 Minuten auf den Kopf stellen, dann wieder umdrehen, damit sich ein Vakuum bilden kann. Wenn die Deckel knacken, hat man alles richtig gemacht.

Der Anblick des Bäumchens im Hochsommer vor blauem Himmel weckt Kindheitserinnerungen: das ziemlich saure Aroma, der hellrote Saft, der uns auf die Klamotten kleckerte wenn wir direkt aus dem Baum aßen, quiekend das Gesicht verzogen und die Kirschsteine in hohem Bogen in den Garten spuckten, hatte etwas anarchisch Befreiendes. Mein gütiger, asthmatischer Opa saß gern im Schatten des Bäumchens, dort bekam er besser Luft und freute sich an uns. Und in alter Tradition hat sich auch mein Papa gerne im Sommer dort hingesetzt, oder auf eine Decke gelegt, und durch die Blätter in den Himmel geträumt.

Sauerkirschmarmelade mit weißem Rum und schwarzem Pfeffer

Zutaten für etwa 3–4 Gläser à 450 ml

1 kg gewaschene, entsteinte Sauerkirschen
1 kg Gelierzucker 1:1 oder 500 g Gelierzucker 2:1
10–15 Umdrehungen schwarzer Pfeffer, grob gemahlen
1 großzügiger Schuß weißer Rum
etwas Orangen- oder Zitronenabrieb

Zubereitung

  • Die Kirschen in einem Topf mit Zucker übergießen und (über Nacht) stehen lassen. Evtl. mit dem Zauberstab pürieren. Unter Rühren aufkochen, aufpassen, kocht leicht über! Jetzt beginnt die Kochzeit von 4 Minuten. Am Ende der Kochzeit nach Belieben anarchische Mengen von Pfeffer und Rum einrühren …

Einen Rest in ein Schälchen füllen und direkt verfrühstücken, Topf auskratzen oder lecken, sich in der Küche mehrmals um die eigene Achse drehen und sich des Lebens freuen.

4 Monate später bei einem winterlichen Frühstück vom Sommer träumen….

Im Oktober 2013 ist mein Buch »Foodblogs und ihre besten Rezepte« im Hädecke Verlag erschienen.



Gourmand World Cookbook Award Winner 2014 for Germany. Category »Blog«.



48 kulinarische Erzählungen und Rezepte von 12 deutschsprachigen Foodblogger/innen. Nachgekocht, fotografiert und genussvoll verzehrt von Ariane Bille. Konzipiert und kreiert als Buch, App und Blog.


Vice Content Network

»Das Buch bringt viele Perspektiven zusammen und kommt so der kulinarischen Bewegung im Web erstaunlich nahe – ihren Protagonisten und Motiven, der Kochlust samt Rezepten.« Valentinas-Kochbuch



Mizzis Küchenblock | Der Genussblog von Hädecke