Kulinarische Momentaufnahmen
Wednesday, 23. October 2013 - von Ariane

Unterwegs in Berlin: pasta d´abruzzo in Moabit

Der Buchmessentrubel ist vorbei, dafür hält der Trubel in meinem Leben (erst mal) an. Der ein oder andere aufmerksame Leser hat es vielleicht mitbekommen: Mich hat es von Kreuzberg nach Moabit verschlagen. Im September habe ich den Kiez rund um die Turmstraße neu kennen und lieben gelernt. In knapp einer Woche werde ich wieder meine Koffer und Kisten packen – ich komme zurück! Diesmal aber für länger, quasi zum Überwintern.

Zur Einstimmung geht heute meine »kulinarische Entdeckungsreise durch Moabit« weiter. Darf ich vorstellen: Katja und Cosimo von pasta d´abruzzo, zwei Genussmenschen mit einem Faible für hausgemachte Pasta:

Ariane: Katja und Cosimo – wie habt ihr die Leidenschaft für frisch gemachte Pasta entdeckt und was brachte euch dann auf die Idee eine eigene Pastamanufaktur zu eröffnen?

Cosimo und Katja: Wie bei allen Italienern gehörte Pasta bei uns schon immer täglich auf den Tisch. Zu besonderen Anlässen (oder manchmal auch zwischendurch) wurde die Pasta selbst gemacht. Als wir in Italien gelebt haben, konnten wir die frische Pasta einfach in einem pastificio kaufen. In diesen Läden wird nur frische Pasta hergestellt und verkauft. Bei unserer Rückkehr ist dann die Idee einer eigenen Pastamanufaktur entstanden.  Als wir zu Weihnachten für die ganze Familie Ravioli gemacht haben, vermissten wir ein pastificio, wie in Italien. So wurde die Idee geboren, sich selbst mit so einem Geschäft zu verwirklichen. Nach ausgiebiger Recherche stellten wir fest, dass es in Berlin einen solchen Laden, der sich ausschließlich auf frische Pasta spezialisiert hat, nicht wirklich gab.

Ariane: Nudelmacher wird man ja nicht von heute auf morgen. Wie und wo habt ihr euer Handwerk gelernt?

Cosimo und Katja: Also entwarfen wir einen Business-Plan für die genaue Umsetzung und absolvierten bei unserem nächsten Italien-Urlaub ein Praktikum bei der Dame, bei der wir immer unsere frische Pasta gekauft hatten. Da der Ursprung unserer Familie in diesem Ort liegt, kennt man sich bereits seit mehreren Jahrzehnten. Sie selbst betreibt ihr Geschäft seit über 30 Jahren. Ihre Erfahrungen und ihr Wissen in der Pastaherstellung hat sie mit uns geteilt und uns im Rahmen eines mehrwöchigen Praktikums sowohl ihre Rezepte als auch eine Menge Tipps gegeben. Die klassischen Ravioli (Ricotta, Ricotta & Spinat, Ricotta & Steinpilz) sind  alles Originalrezepte. Die saisonalen Ravioli haben wir selbst kreiert.

Ariane: Warum liegt euch hausgemachte Pasta am Herzen und was ist das besondere an eurer Pasta?

Cosimo und Katja: Die Freude an hausgemachter Pasta hat in unserer Familie eher nostalgische Gründe. Es war immer etwas Besonderes für uns, da diese oft zu besonderen Anlässen oder sonntags, wenn die ganze Familie zusammengekommen war, gemacht wurden. Meistens hat sie der Vater meines Mannes gemacht. Aber oft  wurden sie auch gemeinsam mit der ganzen Familie zubereitet. Dazu gab es dann immer eine besondere Sonntagssoße, die mehrere Stunden lang gekocht wurde. Ansonsten essen wir regelmäßig frische Pasta, wenn wir in Italien sind. Wenn wir auf dem Markt in dem Ort, aus dem mein Mann bzw. mein Schwiegervater stammt, einkaufen, machen wir meistens auch einen Abstecher in den pastificio, den unsere alte Freundin der Familie betreibt.
Das besondere an unserer Pasta ist deren Herstellung mit ausgesuchten, frischen Zutaten und ohne Zusatz- und Konservierungsstoffe. Außerdem haben wir uns als Quereinsteiger mit unserer Pastamanufaktur beruflich verwirklicht und sind mit Begeisterung für unsere Arbeit dabei. Dies schmeckt man hoffentlich auch im Ergebnis.

Ariane: Ihr produziert täglich bis zu 20 kg frische Pasta, die man sich dann mit nach Hause nehmen und mit eigener Sauce verfeinern kann. Könnt ihr euch auch eine Art Mittagstisch bei euch im Lokal vorstellen?

Cosimo und Katja: Aktuell ist kein Mittagstisch im Lokal geplant, da wir kein Restaurant sind, sondern ein pastificio wie in Italien betreiben, und uns in erster Linie auf die Pasta-Herstellung und deren Verkauf zur Weiterverarbeitung konzentrieren wollen.

Ariane: Euer Ladenlokal liegt nahe der Turmstraße in Berlin-Moabit. In der Gegend tummeln sich auffällig viele Schnellimbisse und Billigläden. Wie und warum hat es euch dorthin gezogen und was mögt ihr besonders gerne an eurem Kiez? Hattet ihr das Ziel die Gegend kulinarisch attraktiver zu machen?

Cosimo und Katja: Mein Mann ist in dem Kiez aufgewachsen und hat deshalb einen gewissen Hang zu der Gegend. Und nachdem wir in Charlottenburg (ursprünglich geplanter Standort) nicht fündig geworden sind, lag es nahe sich in Moabit nach einem passenden Lokal umzuschauen. Ausschlaggebend für unsere Entscheidung war am Ende das Ladenlokal und die nähere Umgebung (wie z.B. der Westfälische Kiez oder die Jagowstrasse) in der wir uns viele Feinschmecker erhofft haben. Wenn wir die Gegend mit unserer Anwesenheit kulinarisch attraktiver gestalten, dann freut uns das sehr und wir verstehen es als ein großes Kompliment an unsere Pasta.

Ariane: Und zum Schluss: Habt ihr ein paar kulinarische Tipps in Moabit für mich?

Cosimo und Katja: Kirsehirli Gözlemeci in der Bremer Str. 75, rechts vom Rathaus Moabit. Die machen u.a. wirklich leckere Gözleme, Manti und türkische Pizzen. Alles ist immer frisch und handgemacht.

Cosimo E. & Katja Di Cioccio
pasta d´abruzzo
Die Pasta-Manufaktur
Alt-Moabit-78
10555 Berlin
Mo–Fr 10–18 Uhr
Sa 9–13 Uhr

Aus der Reihe Unterwegs in Berlin

      Im Oktober 2013 ist mein Buch »Foodblogs und ihre besten Rezepte« im Hädecke Verlag erschienen.



      Gourmand World Cookbook Award Winner 2014 for Germany. Category »Blog«.



      48 kulinarische Erzählungen und Rezepte von 12 deutschsprachigen Foodblogger/innen. Nachgekocht, fotografiert und genussvoll verzehrt von Ariane Bille. Konzipiert und kreiert als Buch, App und Blog.


      Vice Content Network

      »Das Buch bringt viele Perspektiven zusammen und kommt so der kulinarischen Bewegung im Web erstaunlich nahe – ihren Protagonisten und Motiven, der Kochlust samt Rezepten.« Valentinas-Kochbuch



      Mizzis Küchenblock | Der Genussblog von Hädecke