Kulinarische Momentaufnahmen
Zorra © Zorra
Sonntag, 21. August 2011 - von Ariane

Zorra

Update Mai 2013: Alle Interviews, die hier im Blog zu lesen sind, habe ich für das erscheinende Buch in der Caramelized-App (Juni 2013) und im Hädecke Verlag (Herbst 2013) komplett überarbeitet und ergänzt. Hier im Blog sind sie noch in der alten Version zu lesen.

Wie die Zeit vergeht. Seit meiner Diplomarbeit ist nun schon über ein Jahr vergangen. Ich habe immer noch ein paar unveröffentlichte Interviews in der Schublade, die will ich Euch nicht länger vorenthalten. Heute habe ich mich für das Interview mit Zorra von 1 x umrühren bitte! entschieden. Viel Spaß beim Lesen:

Ariane: Zorra, Dein Blog „1 x umrühren Bitte“ ist einer der ersten in der deutschsprachigen Foodblog-Szene. Warum faszinieren Dich Foodblogs und was war der Auslöser für das Schreiben Deines eigenen Blogs?

Zorra: Foodblogs faszinieren mich erstens weil ich gerne koche und und zweitens man sich dort viele Anregungen und Inspirationen für die eigene Küche holen kann.
Angefangen hat bei mir alles mit meinem persönlichen Blog zorra im wald, welches ich übrigens immer noch sporadisch führe. Da bin ich mit den verschiedensten Blogs in Berührung gekommen und irgendwann auch mal über Foodblogs gestolpert. Das hat mich auf die Idee gebracht 1x umrühren bitte als Gemeinschafts-Foodblog zu starten.

Ariane: Du schreibst unter dem Pseudonym Zorra. Wieso ist es Dir wichtig anonym zu bleiben? Welche positiven und negativen Erfahrungen hast Du damit bisher gemacht?

Zorra: Im richtigen Leben läuft ja auch keiner mit einem Namensschild um den Hals in der Gegend rum. So halte ich es mit dem Blog. Das heißt, ein kontrollierter Umgang mit meinen persönlichen Daten ist mir wichtig. Bis anhin habe ich damit nur gute Erfahrungen gemacht.

Ariane: Welchen Einfluss hat der Blog auf Dein Leben und speziell auf das Kulinarische?

Zorra: Dank dem Bloggen koche ich vielfältiger. Ich koche und backe Sachen, an die ich mich früher nie getraut oder nie gemacht hätte. Vor meiner Foodblog-Zeit hatte ich vielleicht 30 Gerichte im Repertoire, die ich immer wieder kochte. Inzwischen gibt es selten ein Gericht mehr als zweimal, außer unsere absolute Lieblingsgerichte. Natürlich kommt durch das Bloggen auch ein gewisser Druck, schliesslich muss man sein Blog mit neuen Beiträgen füttern. Ansonsten beschäftige ich mich dank des Blogs allgemein mehr mit Thema Kochen und Essen.

Ariane: Du bloggst auch international. Wieso hast Du Dich dazu entschieden? Was hat sich seit dem Start 2003 sonst noch auf „1 x umühren bitte“ getan?

Zorra: Als ich mit Bloggen startete, gab es noch nicht viele deutsche Foodblogs, so habe ich das Ganze etwas erweitert. Man gewinnt dadurch ein größeres Publikum und kann seinen Horizont erweitern. Ich finde es spannend zu sehen, was Mary in den USA, Maria in Italien oder Marie in Frankreich kochen.

Was sich in meinem Blog getan hat? Für mich ist die wichtigste Änderung, dass sich das Blog langsam von einem Gemeinschafts-Blog zu meinem Baby entwickelt hat. Heute wird es ausschliesslich von mir geführt, bis auf die Blog-Events, die werden jeden Monat von einem anderen Blogger mit meiner Unterstützung organisiert.

Ariane: Wenn Du deutschsprachige Foodblogs im internationalen Vergleich betrachtest, worin unterscheiden sie sich zur restlichen Foodbloglandschaft? Welche Eigenschaften gefallen Dir an englischen im Gegensatz zu deutschen Blogs besonders gut und andersherum?

Zorra: Unterschiede gibt es tatsächlich zwischen den Bloglandschaften, sogar unter den deutschsprachigen. Schweizer und österreichische Blogger sind zurückhaltend. Deutsche Blogger sind aktiver, italienische und französische Blogger folgen gerne einem „Leitblogger“, amerikanische Blogger sind am offensten. Das ist natürlich verallgemeinert und muss mit einem Augenzwinkern betrachtet werden.

Ariane: Eine andere Besonderheit Deines Blogs sind die regelmäßigen Blog-Events. Erkläre das einmal genauer, was für eine Idee steckt dahinter und wie bist Du zum ersten Mal damit in Berührung gekommen?

Zorra: Die Idee stammt wohl von der englischsprachigen Bloggerszene, jedenfalls sind mir dort solche Events erstmals aufgefallen. Was ist ein Blog-Event? Blogger kochen innerhalb einer bestimmten Zeit zu einem vorgegeben Thema ein Gericht, schreiben darüber einen Beitrag und lassen dies den Gastgeber wissen. Der Gastgeber, der Blogger der das Thema bestimmt hat, schreibt eine Zusammenfassung aller eingegangenen Rezepte. Dank solchen Blog-Events kommen viele interessante und vor allem themenbezogene Rezepte zusammen. Im Kochtopf, wie 1x umrühren bitte auch genannt wird, haben wir inzwischen schon zu 55 Themen gekocht. Das sind nur die deutschsprachigen Blog-Events. Bread Baking Day, World Bread Day und andere Events kommen noch dazu.

Ariane: Du kannst Dich über eine große Leserschaft freuen, Dein Blog zählt zu den meist gelesenen in Deutschland und der Schweiz. Haben sich in den letzten 7 Jahren auch so etwas wie virtuelle „Blogger-Freundschaften“ gebildet? Wie würdest Du solch eine Bekanntschaft definieren?

Zorra: Es gibt Blogger mit denen man öfters über Facebook oder Twitter kommuniziert und auch mal persönlich via E-Mail. Ansonsten durfte ich auch schon ein paar Food- und Nichtfoodblogger in Natura treffen. Was immer wieder schön ist, da man sich meist auf Anhieb versteht. Gleiche Interessen verbinden.

Ariane: Zorra, Du bist in der Schweiz aufgewachsen lebst und kochst aber mittlerweile in Spanien. Wo kaufst Du Deine Lebensmittel am liebsten ein und was darf auf Deiner Einkaufsliste nicht fehlen?

Zorra: Frische Lebensmittel kaufe ich vorwiegend in Supermärkten (Mercadona und Carrefour). Getränke etc. bei den deutschen Discountern. Ab und zu gehe ich auch auf den Markt, wobei eher selten, da die Markthallen schlecht zugänglich sind (Parkplatz etc.) und das Angebot sich in den letzten Jahren dem der Supermärkte angeglichen hat. Leider sind die Waren teilweise sogar weniger frisch, und die Marktverkäufer wissen nicht was sie verkaufen. Kürzlich wollte ich Erdbeeren kaufen und fragte nach der Sorte. Die Antwort des Verkäufers war: Erdbeeren aus Huelva. Da bevorzuge ich den Supermarkt, da steht wenigstens drauf was drin ist. Was ich öfters kaufe ist Geflügel und Mehl. Wir lieben Poulet in allen Variationen und das Mehl brauche ich um Brot zu backen. Dank meines Foodblogs bin ich nämlich eine begeisterte Brotbäckerin geworden.

Ariane: Wie sieht es mit der spanischen Mentalität in Sachen Ernährungsbewusstsein aus? Ist dort, wie hier in Deutschland, auch der Trend zur Fertignahrung festzustellen? Oder wird dort eher mehr in der eigenen Küche zubereitet?

Zorra: Leider geht der Trend auch hier immer mehr zur Fertignahrung. Man kann aber sagen, dass im tiefsten Süden Andalusiens der Trend noch ein paar Jahre hinterherhinkt. Zum Beispiel gab es bis vor 2–3 Jahren im Supermarkt ausschließlich ganze Hühner zu kaufen, das heißt mit Kopf und Füßen, gerupft und ausgenommen. Heute werden die Poulets nicht mehr so verkauft, auch auf den Märkten nicht. Leider- muß ich sagen! Ansonsten hat sich die Gesellschaft auch gewandelt. Großfamilien werden seltener. Junge Leute, die früher bis zur Heirat zu Hause wohnten, nehmen sich jetzt auch eigene Wohnungen, und ob da jeder für sich selbst kocht ist fragwürdig. Ein Rückwärtstrend ist seit der Wirtschaftskrise aber auch zu sehen. Spanien hat über 20 % Arbeitslose und davon sind ca. 40 % Jugendliche. Keine schönen Aussichten.

Ariane: Zum Schluß ist Deine Phantasie gefragt: Stell Dir vor, Du würdest eine Einladung von Sebastian Dickhaut in sein Münchener Kochstudio bekommen. Was denkst Du würdet ihr zum Mittagessen speisen und wie würde der restliche Nachmittag fortschreiten?

Zorra: Ich würde es gerne andersrum machen. Das heißt, zuerst mit Sebastian den Viktualienmarkt unsicher machen, bzw. leckere Sachen einkaufen. Mit diesen Errungenschaften würden wir dann zusammen in seinem Kochstudio ein feines Mittagessen kochen.

Ariane: Danke für das nette Gespräch!

Kommentare

  1. Blog der Woche: 1x umrühren aka kochtopf | Schmausepost - 22. Februar 2013 um 15:59

    [...] bei Youtube; von ihr gibt es zahl­lose Blog­por­träts und Inter­views (etwa hier, hier, hier und hier). Kurzum: zorra vom Koch­topf ist so etwas wie der Mario Adorf der deut­schen [...]

  2. Esther Fuentes - 8. Mai 2013 um 08:37

    “Leider sind die Waren teilweise sogar weniger frisch, und die Marktverkäufer wissen nicht was sie verkaufen”.
    Es tut mir sehr Leid, dass Sie eine so traurige Meinung über unsere Märkte haben. Ich lade Sie zu einem Besuch in Barcelona ein, und biete mich an, Sie zu verschiedenen Märkten zu begleiten. Nach einem ganzen Morgen in Boquería, Santa Caterina oder Galvany (Barcelona), bin Ich mir ganz sicher, dass Sie Ihre Meinung über unsere Märkte ändern werden.
    Herlizche Grüsse

  3. zorra - 9. Mai 2013 um 06:58

    Liebe Esther, ich war schon in Barcelona in der Boquería. Das ist eine ganz andere Liga von Markt, die gibt es hier wo ich wohne nicht. Den Markt, den ich gemeint habe, ist der von Algeciras. Da hat es vor der Markthalle ca. 20 Gemüse-Stände, alle mit derselben überschaubaren dafür saisonalen Auslage – und auch in der Markthalle gibt es nicht viel mehr.

  4. Margit Kunzke - 13. Oktober 2013 um 13:59

    Gerade den Supermarkt Mercadona würde ich nun wirklich nicht als Garant für Frische und gute Ware setzen. Mercadona hat bereits im Jahr 2010 mehr als 1800 spanische Produkte in seinen Läden durch billigere und schlechtere Produkte aus dem Ausland ersetzt, z.B. Orangen aus Argentinien, Olivenöl aus Marokko oder Tunesien, Kürbisse aus Peru, etc. Der Fisch, den Mercadona in seiner Fischabteilung anbietet, ist weder frisch noch spanisch. Die Mehrheit des Fisches kommt tiefgefroren aus Afrika oder Südamerika (und wird dann aufgetaut angeboten) und die Muscheln stammen überwiegend aus Chile, Frankreich oder Marokko. Vom Obst, Gemüse und Fleisch bei Mercadona will ich gar nicht erst reden. Auch in Andalusien gibt es in fast jedem Dorf Wochenmärkte mit guten saisonalen Angeboten, natürlich nicht in der Auswahl, die z.B. La Boquería in Barcelona oder El Mercat von Valencia bietet. Übrigens:
    Die Mehrheit der spanischen Erdbeeren, egal ob sie aus Huelva oder Valencia kommen, sind von der Sorte reina de los valles, gefolgt von den Sorten fresa camarosa und fresa pájaro. Hühner werden in Spanien nach wie vor ganz verkauft, allerdings ohne Kopf und Füße. Diese Hühnerreste werden schon lange mit viel Gewinn in afrikanische Länder exportiert.

Interview mit Zorra von 1 x umrühren bitteGarnelen © ZorraSpanischer Markt © Zorra

Im Oktober 2013 ist mein Buch »Foodblogs und ihre besten Rezepte« im Hädecke Verlag erschienen.



Gourmand World Cookbook Award Winner 2014 for Germany. Category »Blog«.


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